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13 : Abth. 2, Nachgelassene Werke ; Bd. 5 (1903) Unveröffentlichtes aus der Umwerthungszeit : (1882/83 - 1888)
Entstehung
Seite
97
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vielleicht wissen wir überhaupt nicht genug, um denWerth der Handlungen abschätzen zu können! Genug,dass wir versuchsweise für lange Zeiten nach EinerMoral leben!

230.

Nicht das Gute, sondern der Höhere! Plato istmehr werth, als seine Philosophie! Unsere Instinctesind besser, als ihr Ausdruck in Begriffen. Unser Leibist weiser, als unser Geist! Wenn Plato jener Büstein Neapel glich, so haben wir da die beste Widerlegungalles Christenthums!

Sokrates, scheint es, war dahinter gekommen, dasswir moralisch nicht infolge eines logischen Räsonnementshandeln, und er fand selber es nicht. Dass Platound Alle nach ihm glaubten, sie hätten es, und dasChristenthum auf diese platonische niaiserie sich hattaufen lassen, das war bisher der grösste Anlass für dieUnfreiheit in Europa.

Sokrates, der sagtich weiss nicht, was gut und böseist, war klüger als Plato: der definirt es! Aber Platostellt es dar, den höheren Menschen.

231.

Die Naivetät Platos und des Christe'nthums: sieglaubten zu wissen, wasgut ist. Sie hatten denHeerden-Menschen errathen, nicht den schaffendenKünstler. Schon bei Plato ist derHeiland, der zu denLeidenden und Schlechten niedersteigt, erfunden. Erhat keinen Blick für die Vernunft und Nothwendig-keit des Bösen.

Nietzsche, Werke II.Abtheilung. Bd.XIII.

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