Grimm und Ekel erfasst wurde, mehr in Trauer undLiebe auf Macht verzichtend als vor ihr zurückschaudernd,wie er so in Stille sein grösstes Werk förderte undPartitur neben Partitur legte, geschah Einiges, was ihnauf horchen liess: die Freunde kamen, eine unterirdischeBewegung vieler Gemüther ihm anzukündigen — eswar noch lange nicht das „Volk“, das sich bewegteund hier ankündigte, aber vielleicht der Keim und ersteLebensquell einer in ferner Zukunft vollendeten, wahrhaftmenschlichen Gesellschaft; zunächst nur die Bürgschaft,dass sein grosses Werk einmal in Hand und Hut treuerMenschen gelegt werden könne, welche über diesesherrlichste Vermächtniss an die Nachwelt zu wachenhätten und zu wachen würdig wären; in der Liebe derFreunde wurden die Farben am Tage seines Lebensleuchtender und wärmer; seine edelste Sorge, gleichsamnoch vor Abend mit seinem Werke an’s Ziel zu kommenund für dasselbe eine Herberge zu finden, wurde nichtmehr von ihm allein gehegt. Und da begab sich einEreigniss, welches von ihm nur symbolisch verstandenwerden konnte und für ihn einen neuen Trost, ein glück-liches Wahrzeichen bedeutete. Ein grosser Krieg derDeutschen liess ihn aufblicken, derselben Deutschen,welche er so tief entartet, so abgefallen von dem hohendeutschen Sinne- wusste, wie er ihn in sich und denandern grossen Deutschen der Geschichte mit tiefstemBewusstsein erforscht und erkannt hatte — er sah, dassdiese Deutschen in einer ganz ungeheuren Lage zweiächte Tugenden: schlichte Tapferkeit und Besonnenheitzeigten, und begann mit innerstem Glücke zu glauben,dass er vielleicht doch nicht der letzte Deutsche sei, unddass seinem Werke einmal noch eine gewaltigere Machtzur Seite stehen werde, als die aufopfernde, aber geringe
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1 : Abth. 1 (1899) Unzeitgemässe Betrachtungen : erstes bis viertes Stück. - 4./5. Tsd. Die Geburt der Tragödie
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555
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