und Wuth aufzuspringen: er war aus Mitleid mit demVolke zum Revolutionär geworden. Von jetzt ab liebteer es und sehnte sich nach ihm, wie er sich nach seinerKunst sehnte, denn ach! nur in ihm, nur im entschwun-denen, kaum mehr zu ahnenden, künstlich entrückten Volkesah er jetzt den einzigen Zuschauer und Zuhörer, welcherder Macht seines Kunstwerks, wie er es sich träumte,würdig und gewachsen sein möchte. So sammelte sichsein Nachdenken um die Frage: Wie entsteht das Volk?Wie ersteht es wieder?
Er fand immer nur Eine Antwort: — wenn eineVielheit dieselbe Noth litte, wie er sie leidet, Das wäredas Volk, sagt er sich. Und wo die gleiche Noth zumgleichen Drange und Begehren führen würde, müsste auchdieselbe Art der Befriedigung gesucht, das gleiche Glückin dieser Befriedigung gefunden werden. Sah er sichnun darnach um, was ihn selber in seiner Noth am tiefstentröstete und aufrichtete, was seiner Noth am seelenvollstenentgegenkäme, so war er sich mit beseligender Gewiss-heit bewusst, dass diess nur der Mythus und die Musikseien: der Mythus, den er als Erzeugniss und Spracheder Noth des Volkes kannte, die Musik, ähnlichen ob-schon noch räthselvolleren Ursprungs. In diesen beidenElementen badet und heilt er seine Seele, ihrer bedarf eram brünstigsten: — von da aus darf er zurückschliessen,wie verwandt seine Noth mit der des Volkes sei, als esentstand, und wie das Volk dann wieder erstehen müsse,wenn es viele Wagner geben werde. Wie lebten nunMythus und Musik in unsrer modernen Gesellschaft, so-weit sie derselben nicht zum Opfer gefallen waren? Einähnliches Loos war ihnen zu Theil geworden, zum Zeugnissihrer geheimnissvollen Zusammengehörigkeit: der Mythuswar tief erniedrigt und entstellt, zum „Märchen“, zum