aber ist die Kunst bloss desshalb da, damit ihnen nochschlechter zu Muthe werde, noch dumpfer und sinnloser,oder noch hastiger und begehrlicher. Denn die un-richtige Empfindung reitet und drillt sie unablässigund lässt durchaus nicht zu, dass sie sich selber ihr Elendeingestehen dürfen; wollen sie sprechen, so flüstert ihnendie Convention Etwas in’s Ohr, worüber sie vergessen,was sie eigentlich sagen wollten; wollen sie sich miteinander verständigen, so ist ihr Verstand wie durchZaubersprüche gelähmt, so dass sie Glück nennen, wasihr Unglück ist, und sich zum eignen Unsegen nochrecht geflissentlich mit einander verbinden. So sind sieganz und gar verwandelt und zu willenlosen Sclaven derunrichtigen Empfindung herabgesetzt.
6 .
Nur an zwei Beispielen will ich zeigen, wie ver-kehrt die Empfindung in unserer Zeit geworden ist, undwie die Zeit kein Bewusstsein über diese Verkehrtheit hat.Ehemals sah man mit ehrlicher Vornehmheit auf dieMenschen herab, die mit Geld Handel treiben, wennman sie auch nöthig hatte; man gestand sich ein, dassjede Gesellschaft ihre Eingeweide haben müsse. Jetztsind sie die herrschende Macht in der Seele der modernenMenschheit, als der begehrlichste Theil derselben. Ehe-mals warnte man vor Nichts mehr, als den Tag, denAugenblick zu ernst zu nehmen und empfahl das niladmirari und die Sorge für die ewigen Anliegenheiten;jetzt ist nur Eine Art von Ernst in der modernen Seeleübrig geblieben, er gilt den Nachrichten, welche dieZeitung oder der Telegraph bringt. Den Augenblickbenutzen und, um von ihm Nutzen zu haben, ihn so