5 2 4
ein Jubel der Menschheit über den verbürgten Zusammen-hang und Fortgang des Menschlichen überhaupt. —
5 -
Wagner rückte das gegenwärtige Leben und die
Vergangenheit unter den Lichtstrahl einer Erkenntniss,
der stark genug war, um auf ungewohnte Weite hin damit
sehen zu können: desshalb ist er ein Vereinfacher der
Welt; denn immer besteht die Vereinfachung der Welt
darin, dass der Blick des Erkennenden aufs Neue wieder
über die ungeheure Fülle und Wüstheit eines scheinbaren
*
Chaos Herr geworden ist, und Das in Eins zusammen-drängt, was früher als unverträglich auseinander lag.Wagner that diess, indem er zwischen zwei Dingen, diefremd und kalt wie in getrennten Sphären zu lebenschienen, ein Verhältnis .fand: zwischen Musik undLeben und ebenfalls zwischen Musik und Drama.Nicht dass er diese Verhältnisse erfunden oder erst ge-schaffen hätte: sie sind da und liegen eigentlich vor Jeder-manns Füssen: so wie immer das grosse Problem demedlen Gesteine gleicht, über welches Tausende weg-schreiten, bis endlich Einer es auf hebt. Was bedeutetes, fragt sich Wagner, dass im Leben der neuerenMenschen gerade eine solche Kunst, wie die der Musik,mit so unvergleichlicher Kraft erstanden ist? Man brauchtvon diesem Leben nicht etwa gering zu denken, um hierein Problem zu sehen; nein, wenn man alle diesem Lebeneigenen grossen Gewalten erwägt und sich das Bild einesmächtig aufstrebenden, um bewusste Freiheit und umUnabhängigkeit des Gedankens kämpfenden Da-seins vor die Seele stellt — dann erst recht erscheint dieMusik in dieser Welt als Räthsel. Muss man nicht sagen: