Gesetzen des Lebens wird, um so inbrünstiger begehrenwir nach dem Scheine jener Vereinfachung, wenn auchnur für Augenblicke, um so grösser wird die Spannungzwischen der allgemeinen Erkenntniss der Dinge unddem geistig-sittlichen Vermögen des Einzelnen. Damitder Bogen nicht breche, ist die Kunst da.
Der Einzelne soll zu etwas Überpersönlichem ge-weiht werden — das will die Tragödie; er soll dieschreckliche Beängstigung, welche der Tod und dieZeit dem Individuum macht, verlernen: denn schon imkleinsten Augenblick, im kürzesten Atom seines Lebens-laufes kann ihm etwas Heiliges begegnen, das allenKampf und alle Noth überschwänglich aufwiegt — dasheisst tragisch gesinnt sein. Und wenn die ganzeMenschheit einmal sterben muss — wer dürfte daranzweifeln! — so ist ihr als höchste Aufgabe für allekommenden Zeiten das Ziel gestellt, so in’s Eine undGemeinsame zusammenzuwachsen, dass sie als einGanzes ihrem bevorstehenden Untergange mit einertragischen Gesinnung entgegengehe; in dieserhöchsten Aufgabe liegt alle Veredelung der Menscheneingeschlossen; aus dem endgültigen Abweisen derselbenergäbe sich das trübste Bild, welches sich ein Menschen-freund vor die Seele stellen könnte. So empfinde iches! Es giebt nur Eine Hoffnung und Eine Gewähr fürdie Zukunft des Menschlichen: sie liegt darin, dass dietragische Gesinnung nicht absterbe. Es würdeein Weheschrei sonder Gleichen über die Erde erschallenmüssen, wenn die Men'schen sie einmal völlig verlierensollten; und wiederum giebt es keine beseligendere Lust,als Das zu wissen, was wir wissen — wie der tragischeGedanke wieder hinein in die Welt geboren ist. Denndiese Lust ist eine völlig überpersönliche und allgemeine,