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1 : Abth. 1 (1899) Unzeitgemässe Betrachtungen : erstes bis viertes Stück. - 4./5. Tsd. Die Geburt der Tragödie
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thun, als wenn man annähme, es sei uns um die Kunstallein zu thun: als ob sie wie ein Heil- und Betäubungs-mittel zu gelten hätte, mit dem man alle übrigen elendenZustände von sich abthun könnte. Wir sehen im Bildejenes tragischen Kunstwerks von Bayreuth gerade denKampf der Einzelnen mit Allem, was ihnen als scheinbarunbezwingliche Nothwendigkeit entgegentritt, mit Macht,Gesetz, Herkommen, Vertrag und ganzen Ordnungen derDinge. Die Einzelnen können gar nicht schöner leben,als wenn sie sich im Kampfe um Gerechtigkeit undLiebe zum Tode reif machen und opfern. Der Blick,mit dem uns das geheimnissvolle Auge der Tragödieanschaut, ist kein erschlaffender und gliederbindenderZauber. Obschon sie Ruhe verlangt, so lange sie unsansieht; denn die Kunst ist nicht für den Kampfselber da, sondern für die Ruhepausen vorher und in-mitten desselben, für jene Minuten, wo man zurückblickendund vorahnend das Symbolische versteht, wo mit demGefühl einer leisen Müdigkeit ein erquickender Traumuns naht. Der Tag und der Kampf bricht gleich an,die heiligen Schatten verschweben, und die Kunst istwieder ferne von uns; aber ihre Tröstung liegt überdem Menschen von der Frühstunde her. Überall findetja sonst der Einzelne sein persönliches Ungenügen, seinHalb- und Unvermögen: mit welchem Muthe sollte erkämpfen, wenn er nicht vorher zu etwas Überpersönlichemgeweiht worden wäre! Die grössten Leiden des Einzelnen,die es giebt, die Nichtgemeinsamkeit des Wissens beiallen Menschen, die Unsicherheit der letzten Einsichtenund die Ungleichheit des Könnens, das Alles macht ihnkunstbedürftig. Man kann nicht glücklich sein, so langeum uns herum Alles leidet und sich Leiden schafft; mankann nicht sittlich sein, so lange der Gang der mensch-