— 5 r S —
sichten, Wichtigthun und Schauspielerei mit dem Ernstder Kunst von Seiten der Ausführenden, brutale Giernach Geldgewinn von Seiten der Unternehmenden, Hohl-heit und Gedankenlosigkeit einer Gesellschaft, welche andas Volk nur so weit denkt, als es ihr nützt oder gefährlichist, und Theater und Concerte besucht, ohne je dabei anPflichten erinnert zu werden — diess Alles zusammenbildet die dumpfe und verderbliche Luft unserer heutigenKunstzustände: ist man aber erst so an- dieselbe gewöhnt,wie es unsre Gebildeten sind, so wähnt man wohl, dieseLuft zu seiner Gesundheit nöthig zu haben, und befindetsich schlecht, wenn man, durch irgend einen Zwang,ihrer zeitweilig entrathen muss. Wirklich hat man nurEin Mittel, sich in Kürze davon zu überzeugen, wiegemein, und zwar wie absonderlich und verzwickt gemein,unsre Theater-Einrichtungen sind: man halte nur dieeinstmalige Wirklichkeit des griechischen Theaters da-gegen! Gesetzt, wir wüssten Nichts von den Griechen,so wäre unsern Zuständen vielleicht gar nicht beizu-kommen, und man hielte solche Einwendungen, wie siezuerst von Wagner in grossem Stile gemacht wordensind, für Träumereien von Leuten, welche im LandeNirgendsheim zu Hause sind. Wie die Menschen einmalsind, würde man vielleicht sagen, genügt und gebührtihnen eine solche Kunst — und sie sind nie andersgewesen! — Sie sind gewiss anders gewesen, undselbst jetzt giebt es Menschen, denen die bisherigenEinrichtungen nicht genügen — eben diess beweist dieThatsache von Bayreuth. Hier findet ihr vorbereiteteund geweihte Zuschauer, die Ergriffenheit von Men-schen, welche sich auf dem Höhepunkte ihres Glücksbefinden und gerade in ihm ihr ganzes Wesen zu-sammengerafft fühlen, um sich zu weiterem und höherem