nenden Geistes: denn er ist ein Zusammenbildner undBeseeler des Zusammen gebrachten, ein Vereinfacherder Welt. Man wird sich an einer solchen Vorstellungnicht irre machen lassen, wenn man diese allgemeinsteAufgabe, die sein Genius ihm gestellt hat, mit der vielengeren und näheren vergleicht, an welche man jetztzuerst bei dem Namen Wagner zu denken pflegt. Manerwartet von ihm eine Reformation des Theaters: gesetzt,dieselbe gelänge ihm, was wäre denn damit für jenehöhere und fernere Aufgabe gethan?
Nun, damit wäre der moderne Mensch verändertund reformirt: so nothwendig hängt in unserer neuerenWelt Eins an dem Andern, dass, wer nur einen Nagelherauszieht, das Gebäude wanken und fallen macht.Auch von jeder anderen wirklichen Reform wäre das-selbe zu erwarten, was wir hier von der Wagnerischen,mit dem Anschein der Übertreibung, aussagen. Esist gar nicht möglich, die höchste und reinste Wirkungder theatralischen Kunst herzustellen, ohne nicht überall,in Sitte und Staat, in Erziehung und Verkehr, zu neuern.Liebe und Gerechtigkeit, an Einem Punkte, nämlich hierim Bereiche der Kunst, mächtig geworden, müssen nachdem Gesetz ihrer inneren Noth weiter um sich greifenund können nicht wieder in die Regungslosigkeit ihrerfrüheren Verpuppung zurück. Schon um zu begreifen,inwiefern die Stellung unsrer Künste zum Leben einSymbol der Entartung dieses Lebens ist, inwiefern unsreTheater für Die, welche sie bauen und besuchen, eineSchmach sind, muss man völlig umlernen und das Ge-wohnte und Alltägliche einmal als etwas sehr Ungewöhn-liches und Verwickeltes ansehn können. Seltsame Trübungdes Urtheils, schlecht verhehlte Sucht nach Ergötzlichkeit,nach Unterhaltung um jeden Preis, gelehrtenhafte Rück-