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Zeiten von dem deutschen Wesen erzählen, ja mehr alserzählen, werden sie nicht vielmehr eine der reifstenFrüchte jenes Wesens sein, das immer reformiren undnicht revolviren will und das auf dem breiten Grundeseines Behagens auch das edelste Unbehagen, das dererneuernden That, nicht verlernt hat?
Und gerade zu dieser Art des Unbehagens wurdeWagner immer wieder durch sein Befassen mit Historieund Philosophie gedrängt: in ihnen fand er nicht nurWaffen und Rüstung, sondern hier fühlte er vor Allemden begeisternden Anhauch, welcher von den Grabstättenaller grosser Kämpfer, aller grossen Leidenden undDenkenden her weht. Man kann sich durch Nichtsmehr von der ganzen gegenwärtigen Zeit abheben, alsdurch den Gebrauch, w T elchen man von der Geschichteund Philosophie macht. Der ersteren scheint jetzt, sowie sie gewöhnlich verstanden wird, die Aufgabe zu-gefallen zu sein, den modernen Menschen, der keuchendund mühevoll zu seinen Zielen läuft, einmal aufathmenzu lassen, so dass er sich für einen Augenblick gleich-sam abgeschirrt fühlen kann. Was der einzelne Mon-taigne in der Bewegtheit des Reformations-Geistes be-deutet, ein In-sich-zur-Ruhe kommen, ein friedlichesFür-sich-sein und Ausathmen — und so empfand ihngewiss sein bester Leser, Shakespeare — das ist jetztdie Historie für den modernen Geist. Wenn die Deut-schen seit einem Jahrhundert besonders den historischenStudien obgelegen haben, so zeigt diess, dass sie inder Bewegung der neueren Welt die aufhaltende, ver-zögernde, beruhigende Macht sind: was vielleicht Einigezu einem Lobe für sie wenden dürften. Im Ganzen istes aber ein gefährliches Anzeichen, wenn das geistigeRingen eines Volkes vornehmlich der Vergangenheit gilt