welches aber seine ganze Kraft nicht zu Meere trägt,sondern mindestens ebensoviel auf seinen Wegen undKrümmungen verliert und verstreut, als es am Ausgangemit sich führt. Es ist wahr, ein solches Wesen, wie dasGoethe’s, hat und macht mehr Behagen, es liegt etwasMildes und Edel-Verschwenderisches um ihn herum,während Wagner’s Lauf- und Stromgewalt vielleicht er-schrecken und abschrecken kann. Mag aber sich fürchten,wer will: wir Anderen wollen dadurch um so muthigerwerden, dass wir einen Helden mit Augen sehen dürfen,welcher auch in Betreff der modernen Bildung „dasFürchten nicht gelernt hat“.
Ebensowenig hat er gelernt, sich durch Historieund Philosophie zur Ruhe zu bringen und gerade daszauberhaft Sänftigende und der That Widerrathendeihrer Wirkungen für sich herauszunehmen. Weder derschaffende, noch der kämpfende Künstler wurde durchdas Lernen und die Bildung von seiner Laufbahn ab-gezogen. Sobald ihn seine bildende Kraft überkommt,wird ihm die Geschichte ein beweglicher Thon in seinerHand, dann steht er mit einem Mal anders zu ihr alsjeder Gelehrte, vielmehr ähnlich wie der Grieche zuseinem Mythus stand, als zu einem Etwas, an dem manformt und dichtet, zwar mit Liebe und einer gewissenscheuen Andacht, aber doch mit dem Hoheitsrecht desSchaffenden. Und gerade, weil sie für ihn noch bieg-samer und wandelbarer als jeder Traum ist, kann er indas einzelne Ereigniss das Typische ganzer Zeiten hinein-dichten und so eine Wahrheit der Darstellung erreichen,wie sie der Historiker nie erreicht. Wo ist das ritterlicheMittelalter so mit Fleisch und Geist in ein Gebilde über-gegangen, wie diess im Lohengrin geschehen ist? Undwerden nicht die Meistersinger noch zu den spätesten