Im Verhalten der beiden tiefsten Kräfte zu einander,in der Hingebung der einen an die andre lag diegrosse Nothwendigkeit, durch welche er allein ganz under selbst bleiben konnte: zugleich das Einzige, was ernicht in der Gewalt hatte, was er beobachten und hin-nehmen musste, während er die Verführung zur Untreueund ihre schrecklichen Gefahren für sich immer aufsNeue an sich herankommen sah. Hier fliesst eine über-reiche Quelle der Leiden des Werdenden, die Ungewiss-heit. Jeder seiner Triebe strebte in’s Ungemessne, alledaseinsfreudigen Begabungen wollten sich einzeln los-reissen und für sich befriedigen; je grösser ihre Fülle,um so grösser war der Tumult, um so feindseliger ihreKreuzung. Dazu reizte der Zufall und das Leben, Macht,Glanz, feurigste Lust zu gewinnen, noch öfter quältedie unbarmherzige Noth, überhaupt leben zu müssen;überall waren Fesseln und Fallgruben. Wie ist es mög-lich, da Treue zu halten, ganz zu bleiben? — DieserZweifel übermannte ihn oft und sprach sich dann so aus,wie eben ein Künstler zweifelt, in künstlerischen Ge-stalten: Elisabeth kann für Tannhäuser eben nur leiden,beten und sterben, sie rettet den Unstäten und Un-mässigen durch ihre Treue, aber nicht für dieses Leben.Es geht gefährlich und verzweifelt zu im Lebenswegejedes wahren Künstlers, der in die modernen Zeitengeworfen ist. Auf viele Arten kann er zu Ehren undMacht kommen, Ruhe und Genügen bietet sich ihmmehrfach an, doch immer nur in der Gestalt, wie dermoderne Mensch sie kennt, und wie sie für den redlichenKünstler zum erstickenden Brodem werden müssen. Inder Versuchung hierzu und ebenso in der Abweisung
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1 : Abth. 1 (1899) Unzeitgemässe Betrachtungen : erstes bis viertes Stück. - 4./5. Tsd. Die Geburt der Tragödie
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507
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