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ihr. Von da aus auf den Tannhäuser und Holländerzurückblickend, fühlen wir, wie der Mensch Wagnerwurde: wie er dunkel und unruhig begann, wie erstürmisch Befriedigung suchte, Macht, berauschendenGenuss erstrebte, oft mit Ekel zurückfloh, wie er dieLast von sich werfen wollte, zu vergessen, zu verneinen,zu entsagen begehrte — der gesammte Strom stürztesich bald in dieses, bald in jenes Thal und bohrte in diedunkelsten Schluchten: — in der Nacht dieses halb unter-irdischen Wühlens erschien ein Stern hoch über ihm, mittraurigem Glanze, er nannte ihn, wie er ihn erkannte:Treue, selbstlose Treue! Warum leuchtete sie ihmheller und reiner als Alles? welches Geheimniss enthältdas Wort Treue für sein ganzes Wesen? Denn in jedem,was er dachte und dichtete, hat er das Bild und Problemder Treue ausgeprägt, es ist in seinen Werken eine fastvollständige Reihe aller möglichen Arten der Treue,darunter sind die herrlichsten und selten geahnten: Treuevon Bruder zu Schwester, Freund zu Freund, Dienerzum Herrn, Elisabeth zu Tannhäuser, Senta zum Hol-länder, Elsa zu Lohengrin, Isolde, Kurwenal und Markezu Tristan, Brün nh i l de zu Wotan’s innerstem Wunsche— um die Reihe nur anzufangen. Es ist die eigensteUrerfahrung, welche Wagner in sich selbst erlebt undwie ein religiöses Geheimniss verehrt: diese drückt ermit dem Worte Treue aus, diese wird er nicht müde,in hundert Gestaltungen aus sich heraus zu stellen undin der Fülle seiner Dankbarkeit mit dem Herrlichsten zubeschenken, was er hat und kann — jene wundervolleErfahrung und Erkenntniss, dass die eine Sphäre seinesWesens der anderen treu blieb, aus freier selbstlosesterLiebe Treue wahrte, die schöpferische schuldlose lichtereSphäre der dunklen, unbändigen und tyrannischen.