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1 : Abth. 1 (1899) Unzeitgemässe Betrachtungen : erstes bis viertes Stück. - 4./5. Tsd. Die Geburt der Tragödie
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und der Niemanden in Fesseln sehen will: dieser sprachzu Wagner. Er liess sich auf ihn nieder und umhüllteihn tröstlich mit seinen Flügeln, er zeigte ihm den Weg.Wir thun einen Blick in die andre Sphäre der Wagner-ischen Natur: aber wie sollen wir sie beschreiben?

Die Gestalten, welche ein Künstler schafft, sind nichter selbst, aber die Reihenfolge der Gestalten, an denener ersichtlich mit innigster Liebe hängt, sagt allerdingsEtwas über den Künstler selber aus. Nun stelle manRienzi, den fliegenden Holländer und Senta, Tannhäuserund Elisabeth, Lohengrin und Elsa, Tristan und Marke,Hans Sachs, Wotan und Brünnhilde sich vor die Seele:es geht ein verbindender unterirdischer Strom von sitt-licher Veredelung und Vergrösserung durch alle hindurch,der immer reiner und geläuterter fluthet und hierstehen wir, wenn auch mit schamhafter Zurückhaltung,vor einem innersten Werden in Wagners eigner Seele.An welchem Künstler ist etwas Ähnliches in ähnlicherGrösse wahrzunehmen? Schillers Gestalten, von denRäubern bis zu Wallenstein und Teil, durchlaufen einesolche Bahn der Veredelung und sprechen ebenfallsEtwas über das Werden ihres Schöpfers aus, aber derMaassstab ist bei Wagner noch grösser, der Weg länger.Alles nimmt an dieser Läuterung Theil und drückt sieaus, der Mythus nicht nur, sondern auch die Musik; imRinge des Nibelungen finde ich die sittlichste Musik,die ich kenne, zum Beispiel dort, wo Brünnhilde vonSiegfried erweckt wird; hier reicht er hinauf bis zu einerHöhe und Heiligkeit der Stimmung, dass wir an dasGlühen der Eis- und Schneegipfel in den Alpen denkenmüssen: so rein, einsam, schwer zugänglich, trieblos, vomLeuchten der Liebe umflossen, erhebt sich hier die Natur;Wolken und Gewitter, ja selbst das Erhabne, sind unter