Druckschrift 
1 : Abth. 1 (1899) Unzeitgemässe Betrachtungen : erstes bis viertes Stück. - 4./5. Tsd. Die Geburt der Tragödie
Entstehung
Seite
491
Einzelbild herunterladen
 

49i

ein höheres Tribunal entsteht, welches auch diese An-stalten in Hinsicht auf die Bildung, die sie fördern,überwache und richte; und sobald die Philosophie ausden Universitäten ausscheidet und sich damit von allenunwürdigen Rücksichten und Verdunkelungen reinigt,wird sie gar nichts anderes sein können, als ein solchesTribunal: ohne staatliche Macht, ohne Besoldung undEhren, wird sie ihren Dienst zu thun wissen, frei vomZeitgeiste sowohl als von der Furcht vor diesem Geistekurz gesagt, so wie Schopenhauer lebte, als der Richterder ihn umgebenden sogenannten Cultur. Dergestaltvermag der Philosoph auch der Universität zu nützen,wenn er sich nicht mit ihr verquickt, sondern sie viel-mehr aus einer gewissen würdevollen Weite * übersieht.

Zuletzt aber was gilt uns die Existenz einesStaates, die Förderung der Universitäten, wenn es sichdoch vor Allem um die Existenz der Philosophie aufErden handelt! oder um gar keinen Zweifel darüberzu lassen, was ich meine wenn so unsäglich mehrdaran gelegen ist, dass ein Philosoph auf Erden entsteht,als dass ein Staat oder eine Universität fortbesteht. Indem Maasse als die Knechtschaft unter öffentlichen Mei-nungen und die Gefahr der Freiheit zunimmt, kann sichdie Würde der Philosophie erhöhen; sie war am höchstenunter den Erdbeben der untergehenden römischen Re-publik und in der Kaiserzeit, wo ihr Name und der derGeschichte ingrata firincifiibus nomina wurden. Brutus be-weist mehr für ihre Würde als Plato; es sind die Zeiten,in denen die Ethik aufhörte, Gemeinplätze zu haben.Wenn die Philosophie jetzt nicht viel geachtet wird, sosoll man nur fragen, weshalb jetzt kein grosser Feldherrund Staatsmann sich zu ihr bekennt nur deshalb, weilin der Zeit, wo er nach ihr gesucht hat, ihm ein schwäch-