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1 : Abth. 1 (1899) Unzeitgemässe Betrachtungen : erstes bis viertes Stück. - 4./5. Tsd. Die Geburt der Tragödie
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hinzugekommen ist, empört es ganz und gar, zu denken,dass alle diese Krankheiten und Schwächen grundsätzlichnie geheilt, sondern immer nur überschminkt werdensollen — durch eine solche „Cultur der interessantenForm!“ Und dies bei einem Volke, welches Schopen-hauer und Wagner hervorgebracht hat! Und nochoft hervorbringen soll! Oder täuschen wir uns auf dasTrostloseste? Sollten die Genannten vielleicht gar nichtmehr dafür Bürgschaft leisten, dass solche Kräfte wiedie ihrigen, wirklich noch in dem deutschen Geiste undSinne vorhanden sind? Sollten sie selber Ausnahmensein, gleichsam die letzten Ausläufer und Absenker vonEigenschaften, welche man ehemals für deutsch nahm?Ich weiss mir hier nicht recht zu helfen und kehre des-halb auf meine Bahn der allgemeinen Betrachtung zurück,von der mich sorgenvolle Zweifel oft genug ablenkenwollen. Noch waren nicht alle jene Mächte aufgezählt,von denen zwar die Cultur gefördert wird, ohne dassman doch ihr Ziel, die Erzeugung des Genius, anerkennt;drei sind genannt, die Selbstsucht der Erwerbenden, dieSelbstsucht des Staates und die Selbstsucht aller derer,welche Grund haben, sich zu verstellen und durch dieForm zu verstecken. Ich nenne viertens die Selbst-sucht der Wissenschaft und das eigenthümlicheWesen ihrer Diener, der Gelehrten.

Die Wissenschaft verhält sich zur Weisheit wie dieTugendhaftigkeit zur Heiligung: sie ist kalt und trocken,sie hat keine Liebe und weiss nichts von einem tiefenGefühle des Ungenügens und der Sehnsucht. Sie ist sichselber eben so nützlich, als sie ihren Dienern schäd-lich ist, insofern sie auf dieselben ihren eignen Charakterüberträgt und damit ihre Menschlichkeit verknöchert.So lange unter Cultur wesentlich Förderung der Wissen-