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1 : Abth. 1 (1899) Unzeitgemässe Betrachtungen : erstes bis viertes Stück. - 4./5. Tsd. Die Geburt der Tragödie
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allzu peinlich in die Augen springt und nun wieder einelügnerische Eleganz nöthig wird, mit welcher die Krank-heit der würdelosen Hast maskirt werden soll. Denn sohängt die modische Gier nach der schönen Form mit demhässlichen Inhalt des jetzigen Menschen zusammen: jenesoll verstecken, dieser soll versteckt werden. Gebildet-sein heisst nun: sich nicht merken lassen, wie elend undschlecht man ist, wie raubthierhaft im Streben, wie uner-sättlich im Sammeln, wie eigensüchtig und schamlos imGeniessen. Mehrmals ist mir schon, wenn ich Jemandemdie Abwesenheit einer deutschen Cultur vor Augen stellte,eingewendet worden: „aber diese Abwesenheit ist ja ganznatürlich, denn die Deutschen sind bisher zu arm und be-scheiden gewesen. Lassen Sie unsre Landsleute nur erstreich und selbstbewusst werden, dann werden sie aucheine Cultur haben!“ Mag der Glaube immerhin seligmachen, diese Art des Glaubens macht mich unselig,weil ich fühle, dass jene deutsche Cultur, an deren Zu-kunft hier geglaubt wird — die des Reichthums, derPolitur und der manierlichen Verstellung — das feind-seligste Gegenbild der deutschen Cultur ist, an welcheich glaube. Gewiss, wer unter Deutschen zu leben hat,leidet sehr an der berüchtigten Grauheit ihres Lebensund ihrer Sinne, an der Formlosigkeit, dem Stumpf- undDumpfsinne, an der Plumpheit im zarteren Verkehre,noch mehr an der Scheelsucht und einer gewissen Ver-stecktheit und Unreinlichkeit des Charakters; es schmerztund beleidigt ihn die eingewurzelte Lust am Falschenund Unächten, am Übel-Nachgemachten, an der Über-setzung des guten Ausländischen in ein schlechtes Ein-heimisches: jetzt aber, wo nun noch jene fieberhafteUnruhe, jene Sucht nach Erfolg und Gewinn, jeneÜberschätzung des Augenblicks als schlimmstes Leiden