und Künste, wodurch das Leben unterhaltend wird. Mankann aber den deutschen Geist gar nicht mehr beschimpfen,als wenn man ihn behandelt, als ob er von Wachs wäre,so dass man ihm eines Tages auch die Eleganz anknetenkönnte. Und wenn es leider wahr ist, dass ein guterTheil der Deutschen sich gern derartig kneten und zu-rechtformen lassen will, so soll doch dagegen so oft ge-sagt werden, bis man es hört: bei euch wohnt sie garnicht mehr, jene alte deutsche Art, die zwar hart, herbeund voller Widerstand ist, aber als der köstlichste Stoff,an welchem nur die grössten Bildner arbeiten dürfen,weil sie allein seiner werth sind. Was ihr dagegen ineuch habt, ist ein weichliches breiiges Material; machtdamit was ihr wollt, formt elegante Puppen und inter-essante Götzenbilder daraus — es wird auch hierin beiRichard Wagner’s Wort verbleiben: „der Deutsche isteckig und ungelenk, wenn er sich manierlich geben will;aber er ist erhaben und allen überlegen, wenn er in dasFeuer geräth.“ Und vor diesem deutschen Feuer habendie Eleganten allen Grund sich in Acht zu nehmen, esmöchte sie sonst eines Tages fressen, sammt allen ihrenPuppen und Götzenbildern aus Wachs. — Man könntenun freilich jene in Deutschland überhandnehmende Nei-gung zur „schönen Form“ noch anders und tiefer ableiten:aus jener Hast, jenem athemlosen Erfassen des Augen-blicks, jener Übereile, die alle Dinge zu grün vom Zweigebricht, aus jenem Rennen und Jagen, das den Menschenjetzt Furchen in’s Gesicht gräbt und alles, was sie thun,gleichsam tätowirt. Als ob ein Trank in ihnen wirkte,der sie nicht mehr ruhig athmen liesse, stürmen sie fortin unanständiger Sorglichkeit, als die geplagten Sklavender drei M, des Moments, der Meinungen und der Moden:so dass freilich der Mangel an Würde und Schicklichkeit
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1 : Abth. 1 (1899) Unzeitgemässe Betrachtungen : erstes bis viertes Stück. - 4./5. Tsd. Die Geburt der Tragödie
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451
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