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breitung der Bildung unter seinen Bürgern immer nurihm selbst, im Wetteifer mit andern Staaten zu Gute.Überall, wo man jetzt vom „Culturstaat“ redet, sieht manihm die Aufgabe gestellt, die geistigen Kräfte einerGeneration so weit zu entbinden, dass sie damit den be-stehenden Institutionen dienen und nützen können: aberauch nur soweit; wie ein Waldbach durch Dämme und aufGerüsten theilweise abgeleitet wird, um mit der kleinerenKraft Mühlen zu treiben — während seine volle Kraftder Mühle eher gefährlich als nützlich wäre. Jenes Ent-binden ist zugleich und noch viel mehr ein in-Fesseln-Schlagen. Man bringe sich nur in’s Gedächtniss, wasallmählich aus dem Christenthum unter der Selbstsuchtdes Staates geworden ist. Das Christenthum ist gewisseine der reinsten Offenbarungen jenes Dranges nach Cul-tur und gerade nach der immer erneuten Erzeugung desHeiligen; da es aber hundertfältig benutzt wurde, um dieMühlen der staatlichen Gewalten zu treiben, ist es all-mählich bis in das Mark hinein krank geworden, ver-heuchelt und verlogen und bis zum Widerspruche mitseinem ursprünglichen Ziele abgeartet. Selbst sein letztesEreigniss, die deutsche Reformation, wäre nichts als einplötzliches Aufflackern und Verlöschen gewesen, wennsie nicht aus dem Kampfe und Brande der Staaten neueKräfte und Flammen gestohlen hätte.
Da wird drittens die Cultur von allen denen geför-dert, welche sich eines hässlichen oder langweiligenInhaltes bewusst sind und über ihn durch die soge-nannte „schöne Form“ täuschen wollen. Mit demAusserlichen, mit Wort, Gebärde, Verzierung, Gepränge,Manierlichkeit soll der Beschauer zu einem falschenSchlüsse über den Inhalt genöthigt werden: in derVoraussetzung, dass man für gewöhnlich das Innere nach