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einer unverzagten Selbsterkenntniss zu versetzen, weil esunmöglich ist, Liebe zu lehren: denn in der Liebe alleingewinnt die Seele nicht nur den klaren, zertheilendenund verachtenden Blick für sich selbst, sondern auchjene Begierde, über sich hinaus zu schauen und nacheinem irgendwo noch verborgnen höheren Selbst mitallen Kräften zu suchen. Also nur der, welcher seinHerz an irgend einen’ grossen Menschen gehängt hat,empfängt damit die erste Weihe der Cultur; ihrZeichen ist Selbstbeschämung ohne Verdrossenheit, Hassgegen die eigne Enge und Verschrumpftheit, Mitleidenmit dem Genius, der aus dieser unsrer Dumpf- undTrockenheit immer wieder sich emporriss, Vorgefühl füralle Werdenden und Kämpfenden und die innersteÜberzeugung, fast überall der Natur in ihrer Noth zubegegnen, wie sie sich zum Menschen hindrängt, wie sieschmerzlich das Werk wieder missrathen fühlt, wie ihrdennoch überall die wundervollsten Ansätze, Züge undFormen gelingen: so dass die Menschen, mit denen wirleben, einem Trümmerfelde der kostbarsten bildnerischenEntwürfe gleichen, wo alles uns entgegenruft: kommt,helft, vollendet, bringt zusammen, was zusammengehört,wir sehnen uns unermesslich, ganz zu werden.
Diese Summe von inneren Zuständen nannte ich dieerste Weihe der Cultur; jetzt aber liegt mir ob, dieWirkungen der zweiten Weihe zu schildern, und ichweiss wohl, dass hier meine Aufgabe schwieriger ist.Denn jetzt soll der Übergang vom innerlichen Geschehenzur Beurtheilung des äusserlichen Geschehens gemachtwerden, der Blick soll sich hinauswenden, um jene Be-gierde nach Cultur, wie er sie aus jenen ersten Erfahrungenkennt, in der grossen bewegten Welt wiederzufinden, derEinzelne soll sein Ringen und Sehnen als das Alphabet