langsam und bedenklich würde er sich benehmen, wennnicht ein Staat, sondern ein Einzelner dies Opfer forderte.Es scheint eine Ungereimtheit, dass der Mensch einesandern Menschen wegen da sein sollte; „vielmehr allerAndren wegen, oder wenigstens möglichst Vieler!“ OBiedermann, als ob das gereimter wäre, die Zahl ent-scheiden zu lassen, wo es sich um Werth und Bedeutunghandelt! Denn die Frage lautet doch so: wie erhält dein,des Einzelnen Leben den höchsten Werth, die tiefsteBedeutung? Wie ist es am wenigsten verschwendet?Gewiss nur dadurch, dass du zum Vortheile der seltenstenund werthvollsten Exemplare lebst, nicht aber zum Vor-theile der Meisten, das heisst, der, einzeln genommen,werthlosesten Exemplare. Und gerade diese Gesinnungsollte in einem jungen Menschen gepflanzt und angebautwerden, dass er sich selbst gleichsam als ein misslungenesWerk der Natur versteht, aber zugleich als ein Zeugnissder grössten und wunderbarsten Absichten dieser Künst-lerin; es gerieth ihr schlecht, soll er sich sagen, aber ichwill ihre grosse Absicht dadurch ehren, dass ich ihr zuDiensten bin, damit es ihr einmal besser gelinge.
Mit diesem Vorhaben stellt er sich in den Kreis derCultur; denn sie ist das Kind der Selbsterkenntnisjedes Einzelnen und des Ungenügens an sich. Jeder, dersich zu ihr bekennt, spricht damit aus: „ich sehe etwasHöheres und Menschlicheres über mir, als ich selber bin;helft mir alle, es zu erreichen, wie ich jedem helfenwill, der Gleiches erkennt und am Gleichen leidet: da-mit endlich wieder der Mensch entstehe, welcher sichvoll und unendlich fühlt im Erkennen und Lieben, imSchauen und Können, und mit aller seiner Ganzheit anund in der Natur hängt, als Richter und Werthmesserder Dinge.“ Es ist schwer, Jemanden in diesen Zustand