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1 : Abth. 1 (1899) Unzeitgemässe Betrachtungen : erstes bis viertes Stück. - 4./5. Tsd. Die Geburt der Tragödie
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Blitz! Und hier offenbart sich eben das neue Bild desMenschen, des Goetlreschen Menschen. Man sollte denken,dass Faust durch das überall bedrängte Leben als uner-sättlicher Empörer und Befreier geführt werde, als dieverneinende Kraft aus Güte, als der eigentliche, gleichsamreligiöse und dämonische Genius des Umsturzes, zumGegensätze seines durchaus undämonischen Begleiters, ober schon diesen Begleiter nicht los werden und seineskeptische Bosheit und Verneinung zugleich benutzen undverachten müsste wie es das tragische Loos jedes Em-pörers und Befreiers ist. Aber man irrt sich, wenn manetwas Derartiges erwartet; der Mensch Goethes weichthier dem Menschen Rousseaus aus; denn er hasst jedesGewaltsame, jeden Sprung das heisst aber: jede That;und so wird aus dem Weltbefreier Faust gleichsam nurein Weltreisender. Alle Reiche des Lebens und der Natur,alle Vergangenheiten, Künste, Mythologien, alle Wissen-schaften sehen den unersättlichen Beschauer an sichvorüberfliegen, das tiefste Begehren wird aufgeregt undbeschwichtigt, selbst Helena hält ihn nicht länger undnun muss der Augenblick kommen, auf den sein höhnischerBegleiter lauert. An einer beliebigen Stelle der Erdeendet der Flug, die Schwingen fallen herab, Mephistopholesist bei der Hand. Wenn der Deutsche aufhört, Faust zusein, ist keine Gefahr grösser als die, dass er ein Philisterwerde und dem Teufel verfalle nur himmlische Mächtekönnen ihn hiervon erlösen. Der Mensch Goethes ist,wie ich sagte, der beschauliche Mensch im hohen Stile,der nur dadurch auf der Erde nicht verschmachtet, dassf er alles Grosse und Denkwürdige, was je da war und| noch ist, zu seiner Ernährung zusammen bringt und soj lebt, ob es auch nur ein Leben von Begierde zu Begierdeist; er ist nicht der thätige Mensch: vielmehr, wenn er an