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es immer noch der Mensch Rousseau’s, welcher sich, wieder alte Typhon unter dem Ätna, bewegt. Gedrücktund halb zerquetscht durch hochmüthige Kasten, erbar-mungslosen Reichthum, durch Priester und schlechte Er-ziehung verderbt und vor sich selbst durch lächerlicheSitten beschämt, ruft der Mensch in seiner Noth die„heilige Natur“ an und fühlt plötzlich, dass sie von ihmso fern ist wie irgend ein epikurischer Gott. Seine Ge-bete erreichen sie nicht: so tief ist er in das Chaos derUnnatur versunken. Er wirft höhnisch all den buntenSchmuck von sich, welcher ihm kurz vorher gerade seinMenschlichstes schien, seine Künste und Wissenschaften,die Vorzüge seines verfeinerten Lebens; er schlägt mit derFaust wider die Mauern, in deren Dämmerung er so ent-artet ist, und schreit nach Licht, Sonne, Wald und Fels.Und wenn er ruft: „nur die Natur ist gut, nur der natür-liche Mensch ist menschlich“, so verachtet er sich undsehnt sich über sich selbst hinaus: eine Stimmung, inwelcher die Seele zu furchtbaren Entschlüssen bereit ist,aber auch das Edelste und Seltenste aus ihren Tiefenherauf ruft.
Der Mensch Goethe’s ist keine so bedrohliche Macht,ja in einem gewissen Verstände sogar das Correctiv undQuietiv gerade jener gefährlichen Aufregungen, denender Mensch Rousseau’s preisgegeben ist. Goethe selbsthat in seiner Jugend mit seinem ganzen liebereichenHerzen an dem Evangelium von der guten Natur ge-hangen; sein Faust war das höchste und kühnste Abbildvom Menschen Rousseau’s, wenigstens soweit dessen Heiss-hunger nach Leben, dessen Unzufriedenheit und Sehnsucht,dessen Umgang mit den Dämonen des Herzens darzu-stellen war. Nun sehe man aber darauf hin, was aus allediesem angesammelten Gewölk entsteht —■ gewiss kein