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1 : Abth. 1 (1899) Unzeitgemässe Betrachtungen : erstes bis viertes Stück. - 4./5. Tsd. Die Geburt der Tragödie
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blick ausgerüstet, seine Gedanken gehen gern den dia-lektischen Doppelgang; wie leicht ist es, wenn er seinerBegabung unvorsichtig die Zügel schiessen lässt, dass erals Mensch zu Grunde geht und fast nur noch in derreinen Wissenschaft ein Gespensterleben führt: oder dasser, gewohnt daran, das Für und Wider in den Dingenaufzusuchen, an der Wahrheit überhaupt irre wird und soohne Muth und Zutrauen leben muss, verneinend, zweifelnd,annagend, unzufrieden, in halber Hoffnung, in erwarteterEnttäuschung:es möchte kein Hund so länger leben!Die dritte Gefahr ist die Verhärtung, im Sittlichen oderim Intellectuellen; der Mensch zerreisst das Band, welchesihn mit seinem Ideal verknüpfte; er hört auf, auf diesemoder jenem Gebiete, fruchtbar zu sein, sich fortzupflanzen,er wird im Sinne der Cultur schädlich oder unnütz.Die Einzigkeit seines Wesens ist zum untheilbaren, un-mittheilbaren Atom geworden, zum erkalteten Gestein.Und so kann einer an dieser Einzigkeit ebenso wie an derFurcht vor dieser Einzigkeit verderben, an sich selbstund im Aufgeben seiner selbst, an der Sehnsucht undan der Verhärtung: und Leben überhaupt heisst in Ge-fahr sein.

Ausser diesen Gefahren seiner ganzen Constitution,welchen Schopenhauer ausgesetzt gewesen wäre, er hättenun in diesem oder jenem Jahrhundert gelebt, giebtes nun noch Gefahren, die aus seiner Zeit an ihn herankamen; und diese Unterscheidung zwischen Constitutions-gefahren und Zeitgefahren ist wesentlich, um das Vorbild-liche und Erzieherische in Schopenhauers Natur zu be-greifen. Denken wir uns das Auge des Philosophen aufdem Dasein ruhend: er will dessen Werth neu festsetzen.Denn das ist die eigenthümliche Arbeit aller grossenDenker gewesen, Gesetzgeber für Maass, Münze und