viel bereits erreicht worden, dass der grösste Theil derersten Auflage seines Hauptwerks zu Makulatur einge-stampft werden musste. Die drohende Gefahr, dass seinegrosse That einfach durch Nichtbeachtung wieder ungethanwerde, brachte ihn in eine schreckliche und schwer zubändigende Unruhe; kein einziger bedeutsamer Anhängerzeigte sich. Es macht uns traurig, ihn auf der Jagd nachirgend welchen Spuren seines Bekanntwerdens zu sehen;und sein endlicher lauter und überlauter Triumph darüber,dass er jetzt wirklich gelesen werde („legor et legar“) hatetwas Schmerzlich-Ergreifendes. Gerade alle jene Züge,in denen er die Würde des Philosophen nicht merkenlässt, zeigen den leidenden Menschen, welchen um seineedelsten Güter bangt; so quälte ihn die Sorge, sein kleinesVermögen zu verlieren und vielleicht seine reine undwahrhaft antike Stellung zur Philosophie nicht mehr fest-halten zu können; so griff er in seinem Verlangen nachganz vertrauenden und mitleidenden Menschen oftmalsfehl, um immer wieder mit einem schwermüthigen Blickezu seinem treuen Hunde zurückzukehren. Er war ganz undgar Einsiedler; kein einziger wirklich gleichgestimmterFreund tröstete ihn — und zwischen einem und keinemliegt hier, wie immer zwischen ichts und nichts, eine Un-endlichkeit. Niemand, der wahre Freunde hat, weiss, waswahre Einsamkeit ist, und ob er auch die ganze Welt umsich zu seinen Widersachern hätte. — Ach ich merkewohl, ihr wisst nicht, was Vereinsamung ist. Wo esmächtige Gesellschaften, Regierungen, Religionen, öffent-liche Meinungen gegeben hat, kurz wo je eine Tyranneiwar, da hat sie den einsamen Philosophen gehasst; denndie Philosophie eröffnet dem Menschen ein Asyl, wohinkeine Tyrannei dringen kann, die Höhle des Innerlichen,das Labyrinth der Brust: und das ärgert die Tyrannen.
Druckschrift
1 : Abth. 1 (1899) Unzeitgemässe Betrachtungen : erstes bis viertes Stück. - 4./5. Tsd. Die Geburt der Tragödie
Entstehung
Seite
406
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten