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Genius sich nicht fürchten darf, in den feindseligstenWiderspruch mit den bestehenden Formen und Ordnungenzu treten, wenn er die höhere Ordnung und Wahrheit,die in ihm lebt, an’s Licht herausheben will. Die „Wahr-heit“ aber, von welcher unsre Professoren so viel reden,scheint freilich ein anspruchsloseres Wesen zu sein, vondem keine Unordnung und Ausserordnung zu befürchtenist: ein bequemes und gemüthliches Geschöpf, welchesallen bestehenden Gewalten wieder und wieder versichert,niemand solle ihrethalben irgend welche Umstände haben;man sei ja nur „reine Wissenschaft“. Also: ich wolltesagen, dass die Philosophie in Deutschland es mehr undmehr zu verlernen hat, „reine Wissenschaft“ zu sein: unddas gerade sei das Beispiel des Menschen Schopenhauer.
Es ist aber ein Wunder und nichts Geringeres, dasser zu diesem menschlichen Beispiel heranwuchs: denn erwar von aussen und von innen her durch die unge-heuersten Gefahren gleichsam umdrängt, von denen jedesschwächere Geschöpf erdrückt oder zersplittert wäre. Esgab, wie mir scheint, einen starken Anschein dafür, dassder Mensch Schopenhauer untergehn werde, um alsRest, besten Falls, „reine Wissenschaft“ zurück zu lassen:aber auch dies nur besten Falls; am wahrscheinlichstenweder Mensch noch Wissenschaft.
Ein neuerer Engländer schildert die allgemeinsteGefahr ungewöhnlicher Menschen, die in einer an dasGewöhnliche gebundenen Gesellschaft leben, also: „solchefremdartige Charaktere werden anfänglich gebeugt, dannmelancholisch, dann krank und zuletzt sterben sie. EinShelley würde in England nicht haben leben können, undeine Rasse von Shelley’s würde unmöglich gewesen sein“.Unsere Hölderlin und Kleist, und wer nicht sonst, ver-darben an dieser ihrer Ungewöhnlichkeit und hielten das