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Ich mache mir aus einem Philosophen gerade so viel,als er im Stande ist, ein Beispiel zu geben. Dass erdurch das Beispiel ganze Völker nach sich ziehen kann,ist kein Zweifel; die indische Geschichte, die beinahe dieGeschichte der indischen Philosophie ist, beweist es.Aber das Beispiel muss durch das sichtbare Leben undnicht bloss durch Bücher gegeben werden, also dergestalt,wie die Philosophen Griechenlands lehrten, durch Miene,Haltung, Kleidung, Speise, Sitte mehr als durch Sprechenoder gar Schreiben. Was fehlt uns noch alles zu diesermuthigen Sichtbarkeit eines philosophischen Lebens inDeutschland; ganz allmählich befreien sich hier die Lei-ber, wenn die Geister längst befreit scheinen; und dochist es nur ein Wahn, dass ein Geist frei und selbständigsei, wenn diese errungene Unumschränktheit — die imGrunde schöpferische Selbstumschränkung ist — nichtdurch jeden Blick und Schritt von früh bis Abend neubewiesen wird. Kant hielt an der Universität fest, unter-warf sich den Regierungen, blieb in dem Scheine eines re-ligiösen Glaubens, ertrug es unter Collegen und Studenten:so ist es denn natürlich, dass sein Beispiel vor allem Uni-versitätsprofessoren und Professorenphilosophie erzeugte.Schopenhauer macht mit den gelehrten Kasten wenigUmstände, separirt sich, erstrebt Unabhängigkeit vonStaat und Gesellschaft — dies ist sein Beispiel, sein Vor-bild — um hier vom Äusserlichsten auszugehen. Aberviele Grade in der Befreiung des philosophischen Lebenssind unter den Deutschen noch unbekannt und werdenes nicht immer bleiben können. Unsre Künstler lebenkühner und ehrlicher; und das mächtigste Beispiel, welcheswir vor uns sehn, das Richard Wagner’s, zeigt, wie der
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