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1 : Abth. 1 (1899) Unzeitgemässe Betrachtungen : erstes bis viertes Stück. - 4./5. Tsd. Die Geburt der Tragödie
Entstehung
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sind jetzt so vielfach und complicirt geworden, dass sieunehrlich werden müssen, wenn sie überhaupt reden, Be-hauptungen aufstellen und darnach handeln wollen.

In solchen Nöthen, Bedürfnissen und Wünschen lernteich Schopenhauer kennen.

Ich gehöre zu den Lesern Schopenhauers, welche,nachdem sie die erste Seite von ihm gelesen haben, mitBestimmtheit wissen, dass sie alle Seiten lesen und aufjedes Wort hören werden, das er überhaupt gesagt hat.Mein Vertrauen zu ihm war sofort da und ist jetzt nochdasselbe wie vor neun Jahren. Ich verstand ihn, als ober für mich geschrieben hätte: um mich verständlich,aber unbescheiden und thöricht auszudrücken. Daherkommt es, dass ich nie in ihm eine Paradoxie gefundenhabe, obwohl hier und da einen kleinen Irrthum; dennwas sind Paradoxien anderes als Behauptungen, diekein Vertrauen einflössen, weil der Autor sie selbst ohnerechtes Vertrauen machte, weil er mit ihnen glänzen,verführen und überhaupt scheinen wollte? Schopenhauerwill nie scheinen: denn er schreibt für sich, und niemandwill gern betrogen werden, am wenigsten ein Philosoph,der sich sogar zum Gesetze macht: betrüge niemanden,nicht einmal dich selbst! Selbst nicht mit dem gefälligengesellschaftlichen Betrug, den fast jede Unterhaltung mitsich bringt und welchen die Schriftsteller beinahe unbe-wusst nachahmen; noch weniger mit dem bewussterenBetrug von der Rednerbühne herab und mit den künst-lichen Mitteln der Rhetorik. Sondern Schopenhauer redetmit sich: oder, wenn man sich durchaus einen Zuhörerdenken will, so denke man sich den Sohn, welchender Vater unterweist. Es ist ein redliches, derbes, gut-müthiges Aussprechen, vor einem Hörer, der mit Liebehört. Solche Schriftsteller fehlen uns. Das kräftige Wohl-