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1 : Abth. 1 (1899) Unzeitgemässe Betrachtungen : erstes bis viertes Stück. - 4./5. Tsd. Die Geburt der Tragödie
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lieh, das ist nicht mehr Schale. Zudem ist es ein quä-lerisches, gefährliches Beginnen, sich selbst derartig an-zugraben und in den Schacht seines Wesens auf demnächsten Wege gewaltsam hinabzusteigen. Wie leichtbeschädigt er sich dabei so, dass kein Arzt ihn heilenkann. Und überdies: wozu wäre es nöthig, wenn dochAlles Zeugniss von unserm Wesen ablegt, unsre Freund-und Feindschaften, unser Blick und Händedruck, unserGedächtniss und das, was wir vergessen, unsre Bücherund die Züge unsrer Feder. Um aber das wichtigsteVerhör zu veranstalten, giebt es dies Mittel. Die jungeSeele sehe auf das Leben zurück mit der Frage: washast du bis jetzt wahrhaft geliebt, was hat deine Seelehinangezogen, was hat sie beherrscht und zugleich be-glückt? Stelle dir die Reihe dieser verehrten Gegenständevor dir auf, und vielleicht ergeben sie dir, durch ihrWesen und ihre Folge, ein Gesetz, das Grundgesetzdeines eigentlichen Selbst. Vergleiche diese Gegenstände,sieh, wie einer den andern ergänzt, erweitert, überbietet,verklärt, wie sie eine Stufenleiter bilden, auf welcher dubis jetzt zu dir selbst hingeklettert bist; denn dein wahresWesen liegt nicht tief verborgen in dir, sondern uner-messlich hoch über dir, oder wenigstens über dem, wasdu gewöhnlich als dein Ich nimmst. Deine wahrenErzieher und Bildner verrathen dir, was der wahre Ur-sinn und Grundstoff deines Wesens ist, etwas durchausUnerziehbares und Unbildbares, aber jedenfalls schwerZugängliches, Gebundenes, Gelähmtes: deine Erziehervermögen nichts zu sein als deine Befreier. Und das istdas Geheimniss aller Bildung: sie verleiht nicht künst-liche Gliedmaassen, wächserne Nasen, bebrillte Augen,vielmehr ist das, was diese Gaben zu geben vermöchte,nur das Afterbild der Erziehung. Sondern Befreiung ist