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verdorben und haben bis jetzt noch nicht einmal dasFundament einer Cultur, weil wir selbst davon nichtüberzeugt sind, ein wahrhaftiges Leben in uns zu haben.Zerbröckelt und auseinandergefallen, im Ganzen in einInneres und ein Äusseres halb mechanisch zerlegt, mitBegriffen wie mit Drachenzähnen übersäet, Begriffs-Drachen erzeugend, dazu an der Krankheit der Worteleidend und ohne Vertrauen zu jeder eignen Empfindung,die noch nicht mit Worten abgestempelt ist: als einesolche unlebendige und doch unheimlich regsame Be-griffs- und Wort-Fabrik habe ich vielleicht noch dasRecht, von mir zu sagen cogito, ergo sum, nicht abervivo, ergo cogito. Das leere „Sein“, nicht das volle undgrüne „Leben“ ist mir gewährleistet; meine ursprünglicheEmpfindung verbürgt mir nur, dass ich ein denkendes,nicht dass ich ein lebendiges Wesen, dass ich kein ani-mal, sondern höchstens ein cogital bin. Schenkt mir erstLeben, dann will ich euch auch eine Cultur darausschaffen! — so ruft jeder Einzelne dieser ersten Gene-ration, und alle diese Einzelnen werden sich unter einan-der an diesem Rufe erkennen. Wer wird ihnen diesesLeben schenken?
Kein Gott und kein Mensch: nur ihre eigne Jugend:entfesselt diese und ihr werdet mit ihr das Leben befreithaben. Denn es lag nur verborgen, im Gefängniss, es istnoch nicht verdorrt und erstorben — fragt euch selbst!
Aber es ist krank, dieses entfesselte Leben, und mussgeheilt werden. Es ist siech an vielen Übeln und leidetnicht nur durch die Erinnerung an seine Fesseln — esleidet, was uns hier vornehmlich angeht, an der histo-rischen Krankheit. Das Übermaass von Historiehat die plastische Kraft des Lebens angegriffen, es ver-steht nicht mehr, sich der Vergangenheit wie einer kräf-