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untergeht, so gehört auch nichts als Zeit, aber noch vielmehr Zeit dazu, dass in Deutschland, dem „Lande derAllmähli chkeit“, ein falscher Begriff zu Grunde geht.Immerhin: es giebt jetzt vielleicht hundert Menschenmehr als vor hundert Jahren, welche wissen, was Poesieist; vielleicht giebt es hundert Jahre später wieder hun-dert Menschen mehr, die inzwischen auch gelernt haben,was Cultur ist, und dass die Deutschen bis jetzt keineCultur haben, so sehr sie auch reden und stolziren mögen.Ihnen wird das so allgemeine Behagen der Deutschenan ihrer „Bildung“ ebenso unglaublich und läppisch Vor-kommen, als uns die einstmalig anerkannte ClassicitätGottsched’s oder die Geltung Ramler’s als eines deutschenPindar. Sie werden vielleicht urtheilen, dass diese Bildungnur eine Art Wissen um die Bildung, und dazu ein rechtfalsches und oberflächliches Wissen gewesen sei. Falschund oberflächlich nämlich, weil man den Widerspruchvon Leben und Wissen ertrug, weil man das Charakter-istische an der Bildung wahrer Culturvölker gar nichtsah: dass die Cultur nur aus dem Leben herauswachsenund herausblühen kann; während sie bei den Deutschenwie eine papierne Blume aufgesteckt oder wie eine "Über-zuckerung übergegossen wird und deshalb immer lüg-nerisch und unfruchtbar bleiben muss. Die deutscheJugenderziehung geht aber gerade von diesem falschen undunfruchtbaren Begriffe der Cultur aus: ihr Ziel, recht reinund hoch gedacht, ist gar nicht der freie Gebildete, son-dern der Gelehrte, der wissenschaftliche Mensch, und zwarder möglichst früh nutzbare wissenschaftliche Mensch, dersich abseits von dem Leben stellt, um es recht deutlichzu erkennen; ihr Resultat, recht empirisch - gemein an-geschaut, ist der historisch-ästhetische Bildungsphilister,der altkluge und neuweise Schwätzer über Staat, Kirche