Druckschrift 
1 : Abth. 1 (1899) Unzeitgemässe Betrachtungen : erstes bis viertes Stück. - 4./5. Tsd. Die Geburt der Tragödie
Entstehung
Seite
370
Einzelbild herunterladen
 

37 °

und zwar als Thier- und Menschenhistorie in diegefährlichen, weil unklugen, Volksmassen und Arbeiter-schichten sorglich eingerührt, weil man weiss, dass einKörnlein von historischer Bildung im Stande ist, die rohenund dumpfen Instincte und Begierden zu brechen oderauf die Bahn des verfeinerten Egoismus hinzuleiten. Insumma: der Mensch nimmt jetzt, mit E. von Hartmannzu reden,auf eine bedächtig in die Zukunft schauendepraktisch wohnliche Einrichtung in der irdischen HeimatBedacht. Derselbe Schriftsteller nennt eine solche Pe-riode dasMannesalter der Menschheit und spottet da-mit über das, was jetztMann genannt wird, als obdarunter allein der ernüchterte Selbstsüchtling verstandenwerde; wie er ebenfalls nach einem solchen Mannesalterein dazu gehöriges Greisenalter prophezeit, ersichtlichaber auch nur damit seinen Spott an unsern zeitge-mässen Greisen auslassend: denn er redet von ihrer reifenBeschaulichkeit, mit der sie dieganzen wüst durch-stürmten Leiden ihres vergangnen Lebenslaufes über-schauen und die Eitelkeit der bisherigen vermeintlichenZiele ihres Strebens begreifen. Nein, einem Mannesalterjenes verschlagenen und historisch gebildeten Egoismusentspricht ein mit widriger Gier und würdelos am Lebenhängendes Greisenalter und sodann ein letzter Akt, mit demdie seltsam wechselnde Geschichte schliesst,als zweite Kindheit, gänzliches Vergessen,ohn Augen, ohne Zahn, Geschmack und Alles.

Ob die Gefahren unsres Lebens und unserer Culturnun von diesen wüsten, zahn- und geschmacklosen Greisen,ob sie von jenen sogenanntenMännern Hartmannskommen: beiden gegenüber wollen wir das Recht unsererJugend mit den Zähnen festhalten und nicht müdewerden, in unserer Jugend die Zukunft gegen jene Zu-