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1 : Abth. 1 (1899) Unzeitgemässe Betrachtungen : erstes bis viertes Stück. - 4./5. Tsd. Die Geburt der Tragödie
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Erfolge abgekniet! Was, es gäbe keine herrschendenMythologien mehr? Was, die Religionen wären im Aus-sterben? Seht euch nur die Religion der historischenMacht an, gebt Acht auf die Priester der Ideen-Mytho-logie und ihre zerschundenen Kniee! Sind nicht sogaralle Tugenden im Gefolge dieses neuen Glaubens? Oderist es nicht Selbstlosigkeit, wenn der historische Menschsich zum objectiven Spiegelglas ausblasen lässt? Ist esnicht Grossmuth, auf alle Gewalt im Himmel und aufErden zu verzichten, dadurch dass man in jeder Gewaltdie Gewalt an sich anbetet? Ist es nicht Gerechtigkeit,immer Wagschalen der Mächte in den Händen zu habenund fein zuzusehen, welche als die stärkere und schwereresich neigt? Und welche Schule der Wohlanständigkeitist eine solche Betrachtung der Geschichte! Alles objectivnehmen, über nichts zürnen, nichts lieben, alles begreifen,wie macht das sanft und schmiegsam: und selbst wennein in dieser Schule Aufgezogner öffentlich einmal zürntund sich ärgert, so freut man sich daran, denn man weissja, es ist nur artistisch gemeint, es ist ira und Studiumund doch ganz und gar sine ira et studio.

Was für veraltete Gedanken habe ich gegen einensolchen Complex von Mythologie und Tugend auf demHerzen! Aber sie sollen einmal heraus, und man sollnur immer lachen. Ich würde also sagen: die Geschichteprägt immer ein:es war einmal, die Moral:ihr solltnicht oderihr hättet nicht sollen. So wird die Ge-schichte zu einem Compendium der thatsächlichen Un-moral. Wie schwer würde sich der irren, der die Ge-schichte zugleich als Richterin dieser thatsächlichenUnmoral ansähe! Es beleidigt zum Beispiel die Moral,dass ein Raffael sechs und dreissig Jahr alt sterbenmusste: solch ein Wesen sollte nicht sterben. Wollt ihr

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