354
Begriff“, insofern sie „die Dialektik der Völkergeister“und das „Weltgericht“ ist.
Man hat diese Hegelisch verstandene Geschichte mitHohn das Wandeln Gottes auf der Erde genannt, wel-cher Gott aber seinerseits erst durch die Geschichtegemacht wird. Dieser Gott aber wurde sich selbstinnerhalb der Hegelischen Hirnschalen durchsichtig undverständlich und ist bereits alle dialektisch möglichenStufen seines Werdens, bis zu jener Selbstoffenbarung,emporgestiegen: so dass für Hegel der Höhepunkt undder Endpunkt des Weltprozesses in seiner eignen Ber-liner Existenz zusammenfielen. Ja er hätte sagen müssen,dass alle nach ihm kommenden Dinge eigentlich nur alseine musikalische Coda des weltgeschichtlichen Rondo’s,noch eigentlicher, als überflüssig zu schätzen seien. Dashat er nicht gesagt: dafür hat er in die von ihm durch-säuerten Generationen jene Bewunderung vor der „Machtder Geschichte“ gepflanzt, die praktisch alle Augenblickein nackte Bewunderung des Erfolges umschlägt und zumGötzendienste des Thatsächlichen führt: für welchen Dienstman sich jetzt die sehr mythologische und ausserdemrecht gut deutsche Wendung „den Thatsachen Rech-nung tragen“ allgemein eingeübt hat. Wer aber erstgelernt hat, vor der „Macht der Geschichte“ den Rückenzu krümmen und den Kopf zu beugen, der nickt zuletztchinesenhaft-mechanisch sein „Ja“ zu jeder Macht, seidies nun eine Regierung oder eine öffentliche Meinungoder eine Zahlen-Majorität, und bewegt seine Gliedergenau in dem Takte, in dem irgend eine „Macht“am Faden zieht. Enthält jeder Erfolg in sich eine ver-nünftige Nothwendigkeit, ist jedes Ereigniss der Siegdes Logischen oder der „Idee“ — dann nur hurtig nie-der auf die Kniee und nun die ganze Stufenleiter der