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1 : Abth. 1 (1899) Unzeitgemässe Betrachtungen : erstes bis viertes Stück. - 4./5. Tsd. Die Geburt der Tragödie
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kenden Lebensgange auf der Ferse; sie schaudern vorihr, wenn sie sich des Vergangnen erfreuen, denn siesind lebende Gedächtnisse, und doch ist ihr Gedenkenohne Erben sinnlos. So umfängt sie die trübe Ahnung,dass ihr Leben ein Unrecht sei, da ihm kein kommendesLeben Recht geben kann.

Dächten wir uns aber solche antiquarische Spätlingeplötzlich die Unverschämtheit gegen jene ironisch-schmerz-liche Bescheidung eintauschen; denken wir sie uns, wiesie mit gellender Stimme verkünden: das Geschlecht istauf seiner Höhe, denn jetzt erst hat es das Wissen übersich und ist sich selber offenbar geworden so hättenwir ein Schauspiel, an dem als an einem Gleichniss dieräthselhafte Bedeutung einer gewissen sehr berühmtenPhilosophie für die deutsche Bildung sich enträthselnwird. Ich glaube, dass es keine gefährliche Schwankungoder Wendung der deutschen Bildung in diesem Jahr-hundert gegeben hat, die nicht durch die ungeheure, bisdiesen Augenblick fortströmende Einwirkung dieser Phi-losophie, der Hegelischen, gefährlicher geworden ist.Wahrhaftig, lähmend und verstimmend ist der Glaube,ein Spätling der Zeiten zu sein: furchtbar und zerstörendmuss es aber erscheinen, wenn ein solcher Glaube einesTages mit kecker Umstülpung diesen Spätling als denwahren Sinn und Zweck alles früher- Geschehenen ver-göttert, wenn sein wissendes Elend einer Vollendung derWeltgeschichte gleichgesetzt wird. Eine solche Betrach-tungsart hat die Deutschen daran gewöhnt, vomWelt-prozess zu reden und die eigne Zeit als das nothwendigeResultat dieses Weltprozesses zu rechtfertigen; eine sol-che Betrachtungsart hat die Geschichte an Stelle derandern geistigen Mächte, Kunst und Religion, als einzigsouverän gesetzt, insofern sieder sich selbst realisirende

Nietzsche, Werke Band I.

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