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1 : Abth. 1 (1899) Unzeitgemässe Betrachtungen : erstes bis viertes Stück. - 4./5. Tsd. Die Geburt der Tragödie
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reicht es doch ebenfalls sein Ziel, wenn es sich mit derhistorischen Bildung, meistens sogar ohne deren Mitwissen,verbündet und nun, aus ihr heraus redend, alles Werdendeachselzuckend ablehnt und darüber das Gefühl des garzu Überspäten und Epigonenhaften, kurz der angebor-nen Grauhaarigkeit ausbreitet. Die herbe und tiefsinnigernste Betrachtung über den Unwerth alles Geschehenen,über das zum-Gericht-Reifsein der Welt, hat sich zu demskeptischen Bewusstsein verflüchtigt, dass es jedenfallsgut sei, alles Geschehene zu wissen, weil es zu spät da-für sei, etwas Besseres zu thun. So macht der historischeSinn seine Diener passiv und retrospectiv; und beinahenur aus augenblicklicher Vergesslichkeit, wenn geradejener Sinn intermittirt, wird der am historischen FieberErkrankte activ, um, sobald die Action vorüber ist, seineThat zu seciren, durch analytische Betrachtung am Weiter-wirken zu hindern und sie endlich zurHistorie abzu-häuten. In diesem Sinne leben wir noch im Mittelalter,ist Historie immer noch eine verkappte Theologie: wieebenfalls die Ehrfurcht, mit der der unwissenschaft-liche Laie die wissenschaftliche Kaste behandelt, einevom Clerus her vererbte Ehrfurcht ist. Was män früherder Kirche gab, das giebt man jetzt, obzwar spärlicher,der Wissenschaft: dass man aber giebt, hat einstmalsdie Kirche ausgewirkt, nicht aber erst der moderne Geist,der vielmehr, bei seinen anderen guten Eigenschaften,bekanntlich etwas Knauseriges hat und in der vornehmenTugend der Freigebigkeit ein Stümper ist.

Vielleicht gefällt diese Bemerkung nicht, vielleichteben so wenig als jene Ableitung des Übermaasses vonHistorie aus dem mittelalterlichen memento mori und ausder Hoffnungslosigkeit, die das Christenthum gegen allekommenden Zeiten des irdischen Daseins im Herzen trägt.