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1 : Abth. 1 (1899) Unzeitgemässe Betrachtungen : erstes bis viertes Stück. - 4./5. Tsd. Die Geburt der Tragödie
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war dieses, der Menschheit sowohl wie dem Einzelnenzugerufenememento mori ein immer quälender Stachelund gleichsam die Spitze des mittelalterlichen Wissensund Gewissens. Das ihm entgegen gerufne Wort derneueren Zeit:memento vivere klingt, offen zu reden,noch ziemlich verschüchtert, kommt nicht aus vollerKehle und hat beinahe etwas Unehrliches. Denn dieMenschheit sitzt noch fest auf dem Memento mori undverräth es durch ihr universales historisches Bedürfniss:das Wissen hat, trotz seinem mächtigsten Flügelschlage,sich nicht ins Freie losreissen können, ein tiefes Gefühlvon Hoffnungslosigkeit ist übrig geblieben und hat jenehistorische Färbung angenommen, von der jetzt alle höhereErziehung und Bildung schwermüthig umdunkelt ist. EineReligion, die von allen Stunden eines Menschenlebens dieletzte für die wichtigste hält, die einen Schluss des Erden-lebens überhaupt voraussagt und alle Lebenden verurtheilt,im fünften Akte der Tragödie zu leben, regt gewiss dietiefsten und edelsten Kräfte auf, aber sie ist feindlichgegen alles Neu-Anpflanzen, Kühn-Versuchen, Frei-Be-gehren;' sie widerstrebt jedem Fluge ins Unbekannte,weil sie dort nicht liebt, nicht hofft: sie lässt das Wer-dende sich nur wider Willen aufdrängen, um es, zurrechten Zeit, als einen Verführer zum Dasein, als einenLügner über den Werth des Daseins, bei Seite zu drängenoder hinzuopfern. Das, was die Florentiner thaten, als sieunter dem Eindrücke der Busspredigten des Savonarolajene berühmten Opferbrände von Gemälden, Manuscripten,Spiegeln, Larven veranstalteten, das möchte das Christen-thum mit jeder Cultur thun, die zum Weiterstreben reiztund jenes Memento mvere als Wahlspruch führt; undwenn es nicht möglich ist, dies auf geradem Wege, ohneUmschweif, nämlich durch Übermacht zu thun, so er-