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1 : Abth. 1 (1899) Unzeitgemässe Betrachtungen : erstes bis viertes Stück. - 4./5. Tsd. Die Geburt der Tragödie
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Hesiods Prophezeihung zu deuten ist, dass die Menscheneinst sogleich graubehaart geboren würden, und dass Zeusdies Geschlecht vertilgen werde, sobald jenes Zeichenan ihm sichtbar geworden sei. Die historische Bildungist auch wirklich eine Art angeborner Grauhaarigkeitund die, welche ihr Zeichen von Kindheit her an sichtragen, müssen wohl zu dem instinctiven Glauben vomAlter der Menschheit gelangen: dem Alter aber ge-bührt jetzt eine greisenhafte Beschäftigung, nämlichZurückschauen, Überrechnen, Abschlüssen, Trost suchenim Gewesenen, durch Erinnerungen, kurz historische Bil-dung. Das Menschengeschlecht ist aber ein zähes undbeharrliches Ding und will nicht nach Jahrtausenden,ja kaum nach Hunderttausenden von Jahren in seinenSchritten vorwärts und rückwärts betrachtet werden,das heisst, es will als Ganzes von dem unendlich kleinenAtompünktchen, dem einzelnen Menschen, gar nichtbetrachtet werden. Was wollen denn ein Paar Jahrtau-sende besagen (oder anders ausgedrückt: der Zeitraumvon 34 aufeinanderfolgenden, zu 60 Jahren gerechnetenMenschenleben), um im Anfang einer solchen Zeit nochvonJugend, am Schlüsse bereits vonAlter der Mensch-heit reden zu können! Steckt nicht vielleicht in die-sem lähmenden Glauben an eine bereits abwelkendeMenschheit das Missverständniss einer, vom Mittelalterher vererbten, christlich theologischen Vorstellung, derGedanke an das nahe Weitende, an das bänglich er-wartete Gericht? Umkleidet sich jene Vorstellung wohldurch das gesteigerte historische Richter-Bedürfniss, alsob unsre Zeit, die letzte der möglichen, selbst jenesWeltgericht über alles Vergangne abzuhalten befugt sei,das der christliche Glaube keineswegs vom Men-schen, aber vondes Menschen Sohn erwartete? Früher