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1 : Abth. 1 (1899) Unzeitgemässe Betrachtungen : erstes bis viertes Stück. - 4./5. Tsd. Die Geburt der Tragödie
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Lesen des Laertius Diogenes über Leben und Lehrengriechischer Philosophen:ich habe auch hier wieder er-fahren, was mir schon manchmal begegnet ist, dass mirnämlich das Vorübergehende und Abwechselnde dermenschlichen Gedanken und Systeme fast tragischer auf-gefallen ist, als die Schicksale, die man gewöhnlich alleindie wirklichen nennt. Nein, ein solches überschwem-mendes, betäubendes und gewaltsames Historisiren istgewiss nicht für die Jugend nöthig, wie die Alten zeigen,ja im höchsten Grade gefährlich, wie die Neueren zeigen.Nun betrachte man aber gar den historischen Studenten,den Erben einer allzufrühen, fast im Knabenalter schonsichtbar gewordenen Blasirtheit. Jetzt ist ihm dieMe-thode zu eigner Arbeit, der rechte Griff und der vor-nehme Ton nach des Meisters Manier zu eigen geworden;ein ganz isolirtes Capitelchen der Vergangenheit ist seinemScharfsinn und der erlernten Methode zum Opfer gefallen;er hat bereits producirt, ja mit stolzerem Worte, er hatgeschaffen, er ist nun Diener der Wahrheit durch dieThat und Herr im historischen Weltbereiche geworden.War er schon als Knabefertig, so ist er nun bereitsüberfertig: man braucht an ihm nur zu schütteln, so fällteinem die Weisheit mit Geprassel in den Schooss; dochdie Weisheit ist faul und jeder Apfel hat seinen Wurm.Glaubt es mir: wenn die Menschen in der wissenschaft-lichen Fabrik arbeiten und nutzbar werden sollen, bevorsie reif sind, so ist in Kurzem die Wissenschaft ebensoruinirt, wie die allzuzeitig in dieser Fabrik verwendetenSclaven. Ich bedaure, dass man schon nöthig hat, sichdes sprachlichen Jargons der Sclavenhalter und Arbeit-geber zur Bezeichnung solcher Verhältnisse zu bedienen,die an sich frei von Utilitäten, enthoben der Lebensnothgedacht werden sollten: aber unwillkürlich drängen sich