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mehr reif werden, — weil dies ein Luxus wäre, der „demArbeitsmarkte“ eine Menge von Kraft entziehen würde.Man blendet einige Vögel, damit sie schöner singen: ichglaube nicht, dass die jetzigen Menschen schöner singenals ihre Grossväter, aber das weiss ich, dass man siezeitig blendet. Das Mittel aber, das verruchte Mittel, dasman anwendet, um sie zu blenden, ist allzu helles,allzu plötzliches, allzu wechselndes Licht. Derjunge Mensch wird durch alle Jahrtausende gepeitscht:Jünglinge, die nichts von einem Kriege, einer diploma-tischen Action, einer Handelspolitik verstehen, werdender Einführung in die politische Geschichte für würdigbefunden. So aber, wie der junge Mensch durch die Ge-schichte läuft, so laufen wir Modernen durch die Kunst-kammern, so hören wir Concerte. Man fühlt wohl, dasklingt anders als jenes, das wirkt anders als jenes: diesGefühl der Befremdung immer mehr zu verlieren, übernichts mehr übermässig zu erstaunen, endlich alles sichgefallen zu lassen — das nennt man dann wohl denhistorischen Sinn, die historische Bildung. Ohne Be-schönigung des Ausdrucks gesprochen: die Masse desEinströmenden ist so gross, das Befremdende, Barbarischeund Gewaltsame dringt so übermächtig, „zu scheusslichenKlumpen geballt“, auf die jugendliche Seele ein, dass siesich nur mit einem vorsätzlichen Stumpfsinn zu rettenweiss. Wo ein feineres und stärkeres Bewusstsein zuGrunde lag, stellt sich wohl auch eine andre Empfindungein: Ekel. Der junge Mensch ist so heimatlos gewordenund zweifelt an allen Sitten und Begriffen. Jetzt weisser es: in allen Zeiten war es anders, es kommt nichtdarauf an, wie du bist. In schwermüthiger Gefühllosig-keit lässt er Meinung auf Meinung an sich vorübergehnund begreift das Wort und die Stimmung Hölderlin’s beim