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1 : Abth. 1 (1899) Unzeitgemässe Betrachtungen : erstes bis viertes Stück. - 4./5. Tsd. Die Geburt der Tragödie
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der lutherischen Reformation; ihre nüchterne pragmati-sirende Neubegier hätte gerade ausgereicht, um jedegeisterhafte actio in distans unmöglich zu machen: wiedas elendeste Thier die Entstehung der mächtigsten Eicheverhindern kann, dadurch dass es die Eichel verschluckt.Alles Lebendige braucht um sich eine Atmosphäre, einengeheimnissvollen Dunstkreis; wenn man ihm diese Hüllenimmt, wenn man eine Religion, eine Kunst, ein Genieverurtheilt, als Gestirn ohne Atmosphäre zu kreisen: sosoll man sich über das schnelle Verdorren, Hart- undUnfruchtbar-werden nicht mehr wundern. So ist es nuneinmal bei allen grossen Dingen,

die nie ohn eingen Wahn gelingen,wie Hans Sachs in den Meistersingern sagt.

Aber selbst jedes Volk, ja jeder Mensch, der reifwerden will, braucht einen solchen umhüllenden Wahn,eine solche schützende und umschleiernde Wolke; jetztaber hasst man das Reifwerden überhaupt, weil man dieHistorie mehr als das Leben ehrt. Ja man triumphirtdarüber, dass jetztdie Wissenschaft anfange, über dasLeben zu herrschen: möglich, dass man das erreicht;aber gewiss ist ein derartig beherrschtes Leben nichtviel werth, weil es viel weniger Leben ist und viel we-niger Leben für die Zukunft verbürgt, als das ehemals nichtdurch das Wissen, sondern durch Instincte und kräftigeWahnbilder beherrschte Leben. Aber es soll auch gar nicht,wie gesagt, das Zeitalter der fertig und reif gewordenen,der harmonischen Persönlichkeiten sein, sondern das dergemeinsamen möglichst nutzbaren Arbeit. Das heisst ebendoch nur: die Menschen sollen zu den Zwecken der Zeitabgerichtet werden, um so zeitig als möglich mit Handanzulegen; sie sollen in der Fabrik der allgemeinen Utili-täten arbeiten, bevor sie reif sind, ja damit sie gar nicht