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kunft, weil er die Illusionen zerstört und den bestehendenDingen ihre Atmosphäre nimmt, in der sie allein lebenkönnen. Die historische Gerechtigkeit, selbst wenn siewirklich und in reiner Gesinnung geübt wird, ist deshalbeine schreckliche Tugend, weil sie immer das Lebendigeuntergräbt und zu Falle bringt: ihr Richten ist immerein Vernichten. Wenn hinter dem historischen Triebekein Bautrieb wirkt, wenn nicht zerstört und aufgeräumtwird, damit eine bereits in der Hoffnung lebendige Zu-kunft auf dem befreiten Boden ihr Haus baue, wenn dieGerechtigkeit allein waltet, dann wird der schaffendeInstinct entkräftet und entmuthigt. Eine Religion zumBeispiel, die in historisches Wissen, unter dem AValtender reinen Gerechtigkeit, umgesetzt werden soll, eineReligion, die durch und durch wissenschaftlich erkanntwerden soll, ist am Ende dieses Weges zugleich ver-nichtet. Der Grund liegt darin, dass bei der historischenNachrechnung jedesmal so viel Falsches, Rohes, Un-menschliches, Absurdes, Gewaltsames zu Tage tritt, dassdie pietätvolle Illusions-Stimmung, in der Alles, was lebenwill, allein leben kann, nothwendig zerstiebt: nur in Liebeaber, nur umschattet von der Illusion der Liebe, schafftder Mensch, nämlich nur im unbedingten Glauben an dasVollkommene und Rechte. Jedem, den man zwingt,nicht mehr unbedingt zu lieben, hat man die Wurzelnseiner Kraft abgeschnitten: er muss verdorren, nämlichunehrlich werden. In solchen Wirkungen ist der Hi-storie die Kunst entgegengesetzt: und nur wenn dieHistorie es erträgt, zum Kunstwerk um gebildet, alsoreines Kunstgebilde zu werden, kann sie vielleicht In-stincte erhalten oder sogar wecken. Eine solche Ge-schichtschreibung würde aber durchaus dem analytischenund unkünstlerischen Zuge unserer Zeit widersprechen, ja
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