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1 : Abth. 1 (1899) Unzeitgemässe Betrachtungen : erstes bis viertes Stück. - 4./5. Tsd. Die Geburt der Tragödie
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und bewahrenswürdig und gross ist. Gleiches durchGleiches! Sonst zieht ihr das Vergangne zu euch nieder.Glaubt einer Geschichtschreibung nicht, wenn sie nichtaus dem Haupte der seltensten Geister herausspringt;immer aber werdet ihr merken, welcher Qualität ihr Geistist, wenn sie genöthigt wird, etwas Allgemeines auszu-sprechen oder etwas Allbekanntes noch einmal zu sagen:der ächte Historiker muss die Kraft haben, das Allbe-kannte zum Niegehörten umzuprägen und das Allgemeineso einfach und tief zu verkünden, dass man die Einfach-heit über der Tiefe und die Tiefe über der Einfachheitübersieht. Es kann keiner zugleich ein grosser Historiker,ein künstlicher Mensch und ein Flachkopf sein: dagegensoll man nicht die karrenden, aufschüttenden, sichtendenArbeiter geringschätzen, weil sie gewiss nicht zu grossenHistorikern werden können; man soll sie noch wenigermit jenen verwechseln, sondern sie als die nöthigen Ge-sellen und Handlanger im Dienste des Meisters begreifen:so etwa wie die Franzosen, mit grösserer Naivetät als beiden Deutschen möglich, von den historiens de M. Thierszu reden pflegten. Diese Arbeiter sollen allmählich grosseGelehrte werden, können aber deshalb noch nie Meistersein. Ein grosser Gelehrter und ein grosser Flachkopfdas geht schon leichter miteinander unter Einem Hute.

Also: Geschichte schreibt der Erfahrene und Über-legene. Wer nicht Einiges grösser und höher erlebt hatals Alle, wird auch nichts Grosses und Hohes aus derVergangenheit zu deuten wissen. Der Spruch der Ver-gangenheit ist immer ein Orakelspruch: nur als Bau-meister der Zukunft, als Wissende der Gegenwart werdetihr ihn verstehn. Man erklärt jetzt die ausserordentlichtiefe und weite Wirkung Delphis besonders daraus, dassdie delphischen Priester genaue Kenner des Vergangnen

Nietzsche, Werke Band I.

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