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1 : Abth. 1 (1899) Unzeitgemässe Betrachtungen : erstes bis viertes Stück. - 4./5. Tsd. Die Geburt der Tragödie
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Auge trübt sich nicht, wenn die Wagschalen steigenund sinken, und seine Stimme klingt weder hart nochgebrochen, wenn er das Urtheil verkündet. Wäre er einkalter Dämon der Erkenntniss, so würde er um sich dieeisige Atmosphäre einer übermenschlich schrecklichenMajestät ausbreiten, die wir zu fürchten, nicht zu ver-ehren hätten: aber dass er ein Mensch ist und doch auslässlichem Zweifel zu strenger Gewissheit, aus duldsamerMilde zum Imperativdu musst, aus der seltenen Tugendder Grossmuth zur allerseltensten der Gerechtigkeit empor-zusteigen versucht, dass er jetzt jenem Dämon ähnelt,ohne von Anbeginn etwas Anderes als ein armer Menschzu sein, und vor Allem, dass er in jedem Augenblickean sich selbst sein Menschenthum zu büssen hat und sichan einer unmöglichen Tugend tragisch verzehrt diesAlles stellt ihn in eine einsame Höhe hin, als das ehr-würdigste Exemplar der Gattung Mensch; denn Wahr-heit will er, doch nicht nur als kalte folgenlose Erkennt-niss, sondern als die ordnende und strafende Richterin,Wahrheit nicht als egoistischen Besitz des Einzelnen,sondern als die heilige Berechtigung, alle Grenzsteineegoistischer Besitzthümer zu verrücken, Wahrheit miteinem Worte als Weltgericht und durchaus nicht etwa alserhaschte Beute und Lust des einzelnen Jägers. Nur in-sofern der Wahrhafte den unbedingten Willen hat, gerechtzu sein, ist an dem überall so gedankenlos glorificirtenStreben nach Wahrheit etwas Grosses: während vor demstumpferen Aiige eine ganze Anzahl der verschieden-artigsten Triebe, wie Neugier, Flucht vor der Langeweile,Missgunst, Eitelkeit, Spieltrieb, Triebe die gar nichts mitder Wahrheit zu thun haben, mit jenem Streben nachWahrheit, das seine Wurzel in der Gerechtigkeit hat, zu-sammenfliessen. So scheint zwar die Welt voll zu sein