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1 : Abth. 1 (1899) Unzeitgemässe Betrachtungen : erstes bis viertes Stück. - 4./5. Tsd. Die Geburt der Tragödie
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Doch lassen wir diese Schwäche. Wenden wir unsvielmehr zu einer vielgerühmten Stärke des modernenMenschen mit der allerdings peinlichen Frage, ob erein Recht dazu hat, sich seiner bekannten historischenObjectivität wegen stark, nämlich gerecht und inhöherem Grade gerecht zu nennen als der Mensch an-derer Zeiten. Ist es wahr, dass jene Objectivität in einemgesteigerten Bedürfniss und Verlangen nach Gerechtigkeitihren Ursprung hat? Oder erweckt sie als Wirkung ganzanderer Ursachen eben nur den Anschein, als ob die Ge-rechtigkeit die eigentliche Ursache dieser Wirkung sei?Verführt sie vielleicht zu einem schädlichen, weil allzuschmeichlerischen Vorurtheil über die Tugenden des mo-dernen Menschen? Sokrates hielt es für ein Leiden,das dem Wahnsinn nahe komme, sich den Besitz einerTugend einzubilden und sie nicht zu besitzen: und gewissist eine solche Einbildung gefährlicher als der entgegen-gesetzte Wahn, an einem Fehler, an einem Laster zuleiden. Denn durch diesen Wahn ist es vielleicht nochmöglich, besser zu werden; jene Einbildung aber machtden Menschen oder eine Zeit täglich schlechter, alsoin diesem Falle, ungerechter.

Wahrlich, niemand hat in höherem Grade einen An-spruch auf unsre Verehrung als der, welcher den Triebund die Kraft zur Gerechtigkeit besitzt. Denn in ihr ver-einigen und verbergen sich die höchsten und seltenstenTugenden wie in einem unergründlichen Meere, das vonallen Seiten Ströme empfängt und in sich verschlingt.Die Hand des Gerechten, der Gericht zu halten befugtist, erzittert nicht mehr, wenn sie die Wage hält; uner-bittlich gegen sich selbst legt er Gewicht auf Gewicht, sein

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