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1 : Abth. 1 (1899) Unzeitgemässe Betrachtungen : erstes bis viertes Stück. - 4./5. Tsd. Die Geburt der Tragödie
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von solchen, dieder Wahrheit dienen; und doch istdie Tugend der Gerechtigkeit so selten vorhanden, nochseltener erkannt und fast immer auf den Tod gehasst:wohingegen die Schaar der scheinbaren Tugenden zujeder Zeit geehrt und prunkend einherzog. Der Wahr-heit dienen Wenige in Wahrheit, weil nur Wenige denreinen Willen haben, gerecht zu sein, und selbst vondiesen wieder die Wenigsten die Kraft, gerecht sein zukönnen. Es genügt durchaus nicht, den Willen dazu alleinzu haben: und die schrecklichsten Leiden sind geradeaus dem Gerechtigkeitstriebe ohne Urtheilskraft über dieMenschen gekommen; weshalb die allgemeine Wohlfahrtnichts mehr erheischen würde, als den Saamen derUrtheilskraft so breit wie möglich auszustreuen, damitder Fanatiker von dem Richter, die blinde BegierdeRichter zu sein, von der bewussten Kraft, richten zudürfen, unterschieden bleibe. Aber wo fände sich einMittel, Urtheilskraft zu pflanzen! daher die Menschen,wenn ihnen von Wahrheit und Gerechtigkeit geredetwird, ewig in einem zagenden Schwanken verharrenwerden, ob zu ihnen der Fanatiker oder der Richter rede.Man soll es ihnen deshalb verzeihen, wenn sie immer mitbesonderem Wohlwollen diejenigenDiener der Wahrheitbegrüsst haben, die weder den Willen noch die Kraftzu richten besitzen und sich die Aufgabe stellen, diereine, folgenlose Erkenntniss oder, deutlicher, die Wahr-heit, bei der nichts herauskommt, zu suchen. Es giebtsehr viele gleichgültige Wahrheiten; es giebt Probleme,über die richtig zu urtheilen nicht einmal Überwindung,geschweige denn Aufopferung kostet. In diesem gleich-gültigen und ungefährlichen Bereiche gelingt es einemMenschen wohl, zu einem kalten Dämon der Erkenntnisszu werden; und trotzdem! Wenn selbst, in besonders