mokrit? warum nicht Heraklit? Oder Philo? Oder Bacon?Oder Descartes und so beliebig weiter. Und dann: warumdenn just ein Philosoph? Warum nicht ein Dichter, einRedner? Und: warum überhaupt ein Grieche, warum nichtein Engländer, ein Türke? Ist denn nicht die Vergangen-heit gross genug, um etwas zu finden, wobei ihr selbsteuch nicht so lächerlich beliebig ausnehmt? Aber wie ge-sagt, es ist ein Geschlecht von Eunuchen; dem Eunuchenist ein Weib wie das andre, eben nur Weib, das Weib ansich, das ewig Unnahbare — und so ist es gleichgültig,was ihr treibt, wenn nur die Geschichte selbst schön „ob-jectiv“ bewahrt bleibt, nämlich von solchen, die nie selberGeschichte machen können. Und da euch das Ewig-Weib-liche nie hinanziehn wird, so zieht ihr es zu euch herabund nehmt, als Neutra, auch die Geschichte als ein Neu-trum. Damit man aber nicht glaube, dass ich im Ernstedie Geschichte mit dem Ewig-Weiblichen vergleiche, sowill ich vielmehr klärlich aussprechen, dass ich sie imGegentheil für das Ewig-Männliche halte: nur dass es fürdie, welche durch und durch „historisch gebildet“ sind,ziemlich gleichgültig sein muss, ob sie das Eine oder dasAndre ist: sind sie doch selbst weder Mann noch Weib,nicht einmal Communia, sondern immer nur Neutra oder,gebildeter ausdrückt, eben nur die Ewig-Objectiven.
Sind die Persönlichkeiten erst in der geschildertenWeise zu ewiger Subjectlosigkeit oder, wie man sagt,Objectivität ausgeblasen: so vermag nichts mehr auf siezu wirken; es mag was Gutes und Rechtes geschehen,als That, als Dichtung, als Musik: sofort sieht der aus-gehöhlte Bildungsmensch über das Werk hinweg undfragt nach der Historie des Autors. Hat dieser schonMehreres geschaffen, sofort muss er sich den bisherigenund den muthmaasslichen weiteren Gang seiner Ent-