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1 : Abth. 1 (1899) Unzeitgemässe Betrachtungen : erstes bis viertes Stück. - 4./5. Tsd. Die Geburt der Tragödie
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nicht zu Schlimmerem geworden wäre: wie dies zumBeispiel der bei Seite stehende und still betrachtendeGrillparzer von seiner dramatisch-theatralischen Erfahrungaus anzunehmen scheint.Wir empfinden mit Abstraction,sagt er,wir wissen kaum mehr, wie sich die Empfindungbei unseren Zeitgenossen äussert; wir lassen sie Sprüngemachen, wie sie sie heutzutage nicht mehr machen.Shakespeare hat uns Neuere alle verdorben.

Dies ist ein einzelner, vielleicht zu schnell ins Allge-meine gedeuteter Fall: aber wie furchtbar wäre seineberechtigte Verallgemeinerung, wenn die einzelnen Fällesich gar zu häufig dem Beobachter aufdrängen sollten,wie verzweifelt klänge der Satz: wir Deutschen empfin-den mit Abstraction; wir sind Alle durch die Historieverdorben ein Satz, der jede Hoffnung auf eine nochkommende nationale Cultur an ihren Wurzeln zerstörenwürde: denn jede derartige Hoffnung wächst aus demGlauben an die Ächtheit und Unmittelbarkeit der deut-schen Empfindung heraus, aus dem Glauben an die un-versehrte Innerlichkeit. Was soll noch gehofft, noch ge-glaubt werden, wenn der Quell des Glaubens und Höffensgetrübt ist, wenn die Innerlichkeit gelernt hat, Sprüngezu machen, zu tanzen, sich zu schminken, mit Abstractionund Berechnung sich zu äussern und sich selbst allge-mach zu verlieren! Und wie soll der grosse productiveGeist es unter einem Volke noch aushalten, das seinereinheitlichen Innerlichkeit nicht mehr sicher ist und dasin Gebildete mit verbildeter und verführter Innerlichkeitund in Ungebildete mit unzugänglicher Innerlichkeitauseinanderfällt! Wie soll er es aushalten, wenn dieEinheit der Volksempfindung verloren gieng, wenn erüberdies gerade bei dem einen Theile, der sich den ge-bildeten Theil des Volkes nennt und ein Recht auf die