nationalen Kunstgeister für sich in Anspruch nimmt, dieEmpfindung gefälscht und gefärbt weiss. Mag hier undda das Urtheil und der Geschmack der Einzelnen selbstfeiner und sublimirter geworden sein — das entschädigtihn nicht: es peinigt ihn, gleichsam nur zu einer Sectereden zu müssen und innerhalb seines Volkes nicht mehrnothwendig zu sein. Vielleicht vergräbt er seinen Schatzjetzt lieber, weil er Ekel empfindet, von einer Secteanspruchsvoll patronisirt zu werden, während sein Herzvoll von Mitleid mit Allen ist. Der Instinct des Volkeskommt ihm nicht mehr entgegen; es ist unnütz, ihm dieArme sehnsuchtsvoll entgegenzubreiten. Was bleibt ihmjetzt noch übrig, als seinen begeisterten Hass gegenjenen hemmenden Bann, gegen die in der sogenanntenBildung seines Volkes 'aufgerichteten Schranken zukehren, um als Richter wenigstens das zu verurtheilen,was für ihn, den Lebenden und Lebenzeugenden, Ver-nichtung und Entwürdigung ist: so tauscht er die tiefeEinsicht seines Schicksals gegen die göttliche Lust desSchaffenden und Helfenden ein und endet als einsamerWissender, als übersatter Weiser. Es ist das schmerz-lichste Schauspiel: wer es überhaupt sieht, wird hiereine heilige Nöthigung erkennen: er sagt sich, hiermuss geholfen werden, jene höhere Einheit in der Naturund Seele eines Volkes muss sich wieder herstellen,jener Riss zwischen dem Innen und dem Aussen mussunter den Hammerschlägen der Noth wieder verschwin-den. Nach welchen Mitteln soll er nun greifen? Wasbleibt ihm nun wiederum als seine tiefe Erkenntniss:diese aussprechend, verbreitend, mit vollen Händenausstreuend, hofft er ein Bedürfniss zu pflanzen: undaus dem starken Bedürfniss wird einmal die starkeThat entstehen. Und damit ich keinen Zweifel lasse,
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1 : Abth. 1 (1899) Unzeitgemässe Betrachtungen : erstes bis viertes Stück. - 4./5. Tsd. Die Geburt der Tragödie
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318
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