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1 : Abth. 1 (1899) Unzeitgemässe Betrachtungen : erstes bis viertes Stück. - 4./5. Tsd. Die Geburt der Tragödie
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Angst vor dem Worte Convention und auch wohl vorder Sache Convention haben. In dieser Angst verliessder Deutsche die Schule der Franzosen: denn er wolltenatürlicher und dadurch deutscher werden. Nun scheinter sich aber in diesemDadurch verrechnet zu haben:aus der Schule der Convention entlaufen, liess er sichnun gehen, wie und wohin er eben Lust hatte, und machteim Grunde schlottericht und beliebig in halber "Vergess-lichkeit nach, was er früher peinlich und oft mit Glücknachmachte. So lebt man, gegen frühere Zeiten ge-rechnet, auch heute noch in einer bummelig incorrectenfranzösischen Convention: wie all unser Gehen, Stehen,Unterhalten, Kleiden und Wohnen anzeigt. Indem manzum Natürlichen zurückzufliehen glaubte, erwählte mannur das Sichgehenlassen, die Bequemlichkeit und dasmöglichst kleine Maass von Selbstüberwindung. Mandurchwandere eine deutsche Stadt alle Convention,verglichen mit der nationalen Eigenart ausländischerStädte, zeigt sich im Negativen, alles ist farblos, ab-gebraucht, schlecht copirt, nachlässig, jeder treibt es nachseinem Belieben, aber nicht nach einem kräftigen, ge-dankenreichen Belieben, sondern nach den Gesetzen, dieeinmal die allgemeine Hast und sodann die allgemeineBequemlichkeits-Sucht vorschreiben. Ein Kleidungsstück,dessen Erfindung kein Kopfzerbrechen macht, dessenAnlegung keine Zeit kostet, also ein aus der Fremde ent-lehntes und möglichst lässlich nachgemachtes Kleidungs-stück, gilt bei den Deutschen sofort als ein Beitrag zurdeutschen Tracht. Der Formensinn wird von ihnen ge-radezu ironisch abgelehnt, denn man hat ja denSinn des Inhaltes: sind sie doch das berühmte Volkder Innerlichkeit.

Nun giebt es aber auch eine berühmte Gefahr dieser